Italien kauft regional – das ist keine Folklore, das ist Alltag. In der Toskana liegt abends Pecorino in der Tasche, in Südtirol ein Laib Roggenbrot vom Bauernmarkt. Wer morgens früh unterwegs ist, folgt dem Geruch: Bäcker zuerst, dann der Gemüsehändler um die Ecke. Den großen Supermarkt meidet man für Frisches – er bleibt Reinigungsmittel, Nudelpackungen, das Langweilige. Was man hier vergeblich sucht: internationale Modeketten in kleinen Orten. Die fahren alle in die nächste Provinzstadt.
Einkaufsstraßen
Jede italienische Kleinstadt hat ihre eine Straße, auf der zwischen neun und zwölf Uhr alles passiert. Kein Wagen kommt durch, weil die Leute quer stehen und reden. Der Metzger hat die Tür offen, jemand ruft von drüben rüber. In Rom ist es die Via del Corso, in Florenz die Via de' Tornabuoni – aber im Dorf heißt sie einfach Hauptstraße, ist vierzig Meter lang, und dort kauft man trotzdem alles Wichtige. Dienstagvormittag: hektischer als der Rest der Woche, weil Liefertag ist.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd will, fährt in die nächste Regionalhauptstadt – nach Florenz, Mailand, Bologna oder Neapel, je nachdem wo man steckt. Mailand ist die Adresse, wenn es wirklich ernst wird: die Via Montenapoleone zeigt Schuhe, für die man zwei Wochen überlegt hat. Aber vor Ort kauft man beim Schneider, den die Großmutter schon kannte. Der sitzt im ersten Stock, ohne Schild, und nimmt keine Laufkundschaft. Den kennt man – oder man fragt den Nachbarn.
Viertel & Boutiquen
Das Viertel, das Besucher nie sehen, liegt meist hinter dem Hauptplatz – eine Gasse weiter, wo die Fassaden nicht frisch gestrichen sind. Dort kauft der Elektriker seine Schrauben, die Nonna ihr Strickgarn, der Rentner seinen Tabak. Kein Schaufenster, manchmal kein Schild. Man drückt die Tür auf und fragt. In neapolitanischen Quartieri Spagnoli funktioniert das genauso wie in einem Dorf in Umbrien: Der Laden existiert, weil die Leute ihn tragen – nicht weil er sichtbar ist.
Märkte & Spezialitäten
Fast jede italienische Stadt hat ihren Markt – mittwochs oder samstags, auf dem Platz vor der Kirche oder an der Ringstraße. Wer früh kommt, bekommt die Tomaten, die noch warm sind von der Sonne. Wer um elf auftaucht, bekommt Reste und bessere Preise. Die Verkäufer kennen ihre Stammkunden beim Namen und legen beiseite, ohne dass man fragt. In ganz kleinen Orten gibt es keinen Markt – da klingelt man beim Bauern. Die Adresse hat man vom Nachbarn, nicht vom Internet.
Einkaufszentren & Outlets
Für den Kühlschrank fährt man aus dem Dorf raus – in die Provinzstadt, wo ein großes Elektrogeschäft an der Ausfallstraße steht. Parkplatz ist voll samstags, wochentags geht es schneller. Sportschuhe kaufen Jugendliche lieber online oder in der Stadt, weil die Auswahl zu Hause endet bei zwei Wanderschuhmodellen und einem Paar Hausschuhen. Die Fahrt lohnt sich, wenn man mehrere Erledigungen kombiniert: Elektrogerät, Baumarkt, Supermarkt für das Großeinkaufen. Einmal im Monat reicht das meistens.
Besonderheiten
Was man nirgendwo sonst bekommt, liegt oft in der Küche hinter dem Laden. In der Emilia-Romagna schneidet der Händler den Parmigiano am Stück ab, der zwei Jahre gereift ist – nicht vakuumverpackt, sondern frisch gebrochen. In Sizilien kauft man beim Mandelbauern direkt am Hof, in Umbrien presst die Familie das Olivenöl im Oktober selbst. Das kauft man nicht im Regal, sondern weil man fragt, weil man wiederkehrt, weil man irgendwann dazugehört. Das dauert – aber es lohnt sich.