Shopping in Sehenswürdigkeiten Italien und seine 20 Regionen: Dein Reiseführer

Italien ist kein Land, das man einmal bereist – es sind zwanzig verschiedene Welten, die man bereist. Wer in Südtirol einkauft, kauft Speck und Wolljacken. Wer in Palermo auf den Markt geht, kauft Tintenfisch und Zitrusfrüchte. Die Römer holen ihr Brot beim Fornaio um die Ecke, die Mailänder kaufen Designertaschen in Geschäften, die keine Preisschilder brauchen. Was überall fehlt: ein Supermarkt, der alles kann. Was überall funktioniert: der kleine Laden, den du nur findest, wenn dich jemand hinschickt.

Einkaufsstraßen

In Florenz arbeitet die Via dei Calzaiuoli zwischen neun und zwölf wie ein Förderband – Touristen schieben sich Richtung Dom, Einheimische biegen früh ab. In Mailand ist der Corso Buenos Aires die Straße, auf der wirklich eingekauft wird: lang, laut, unprätentiös. Wer Venedig kennt, weiß, dass die Mercerie hinter dem Markusplatz die eigentliche Einkaufsader ist – eng, vollgestopft, mit Läden, die seit Jahrzehnten dieselben Auslagen haben. Keine dieser Straßen ist besonders schön. Alle sind unersetzlich.

Luxus & Designer

Wer in einer kleinen apulischen Stadt ein Hemd von Loro Piana kaufen will, fährt nach Bari. Wer in einem Bergdorf in den Marken gutes Leder sucht, fährt nach Ancona – oder direkt nach Bologna, wo die Läden in der Via dell'Indipendenza zeigen, was die Region kann. Mailand bleibt das Ziel, wenn es wirklich ernst wird: die Via Montenapoleone ist keine Einkaufsstraße, sie ist eine Ansage. Wer dort hineingeht, weiß, was er will – und hat meistens schon telefoniert, bevor er die Tür aufmacht.

Viertel & Boutiquen

In Rom kaufen Einheimische im Pigneto ein – kein Tourist verirrt sich dorthin, dabei liegen dort die besten Gemüsehändler der Stadt. In Neapel kennt jeder seinen Rione, sein Viertel, seinen Händler. Die Besucher stehen unten am Hafen und kaufen Limoncello in Flaschen, die aussehen wie Souvenirs. Oben im Quartieri Spagnoli holt die Nachbarin ihre Tomaten beim Mann, der sie jeden Morgen aus dem Transporter räumt. Den Laden hat er nicht – er hat einen Stellplatz, und das reicht seit dreißig Jahren.

Märkte & Spezialitäten

Palermo hat den Ballarò, und wer dort einmal war, versteht, warum Märkte in Nordeuropa oft wie Kulissen wirken. Hier wird gerufen, gefeilscht, gegessen und beschimpft – alles gleichzeitig, alles ernst gemeint. In Bologna läuft man durch die Markthallen nahe der Piazza VIII Agosto und versteht, warum Emilia-Romagna sich für das Zentrum der italienischen Küche hält. Wer in einem kleinen Dorf in Umbrien frisches Gemüse braucht, fragt die Nachbarin. Die weiß, welcher Bauer donnerstags vorbeifährt.

Einkaufszentren & Outlets

Wer in Toskana einen Kühlschrank braucht, fährt ins nächste Gewerbegebiet an der Ausfallstraße – in jedem mittelgroßen Ort gibt es eine dieser Zonen mit Elektronikmärkten, Baumärkten und Reifenhändlern nebeneinander. In Norditalien ist die Dichte höher, die Wege kürzer. Im Süden plant man die Fahrt – oft eine Stunde nach Catanzaro, Cosenza oder Reggio. Wer Zeit hat, kauft online und wartet. Wer es eilig hat, fährt. Sportschuhe kauft man meistens in der Stadt, beim Händler, der seit Jahren derselbe ist und die Größe kennt, ohne zu fragen.

Besonderheiten

In Modena kauft man Aceto Balsamico Tradizionale direkt beim Produzenten – zwölf Jahre gereift, in kleinen Fläschchen, zu Preisen, die man erst versteht, wenn man die Fässer im Keller gesehen hat. In Murano kauft man Glas, aber nur bei den alten Maestri, nicht in den Läden am Kanal. In Greve im Chianti liegt der beste Pecorino beim Käsehändler auf der Hauptpiazza – er macht samstags früh zu, weil er dann schon alles verkauft hat. Diese Dinge stehen nicht in Reiseführern. Man erfährt sie, wenn man fragt.