Wer in Italien einkauft, kauft anders als in Deutschland – nicht alles auf einmal, nicht im gleichen Laden. Morgens geht die Nonna zum Bäcker, der Bauer liefert Tomaten direkt an die Trattoria, der Käse kommt vom Formaggeria-Mann, den jeder beim Vornamen kennt. Die Einkaufstasche am Abend enthält frisches Brot, Mozzarella aus Kampanien, Wein aus dem Veneto. Was man hier vergeblich sucht: Convenience-Kultur. Niemand kauft Parmesan abgepackt, wenn drei Straßen weiter der Käsehändler aufschneidet.
Einkaufsstraßen
Jede der zwanzig Regionen hat ihre eigene Einkaufsachse – keine davon ist besonders ordentlich. In Florenz läuft alles über die Via de' Tornabuoni: Schaufenster eng an Schaufenster, zwischen neun und zwölf Uhr drängen sich Einheimische und Touristen auf demselben Pflaster. In Mailand zieht der Corso Buenos Aires die Massen an – breiter, lauter, weniger elegant. Wer dort morgens um zehn durch die Mitte läuft, trägt schon eine Tüte in der Hand, bevor er überhaupt weiß, was er kaufen wollte.
Luxus & Designer
Wer in Kalabrien ein Hemd von Corneliani kaufen will, fährt nach Neapel oder Mailand – das ist keine Frage, das ist Tatsache. Die Via Condotti in Rom liegt für Römer selbst gleich um die Ecke; für den Rest Italiens bedeutet Luxuseinkauf eine Zugreise. Mailands Quadrilatero della Moda zwischen Via Montenapoleone und Via della Spiga bietet, was kein Einkaufszentrum liefert: Verkäufer, die Zeit haben, Schuhe, die kein Preisschild brauchen, und Läden, die nach echtem Leder riechen.
Viertel & Boutiquen
In Venedig kaufen Einheimische im Sestiere Castello – nicht im Rialto, nicht bei San Marco. Dort, eine Brücke hinter der nächsten, liegen Läden ohne Touristenpreise: der Eisenwarenhändler, der seit dreißig Jahren dieselbe Schürze trägt, der Fischhändler, der um elf Uhr schon fast ausverkauft ist. Besucher verirren sich dort selten, weil Google Maps keine Abkürzungen zeigt, die man nur kennt, wenn man sie gelaufen ist. Die Gasse riecht nach Salzwasser und Motoröl – kein Parfüm der Welt macht das nach.
Märkte & Spezialitäten
Wer einmal den Porta Palazzo in Turin gesehen hat, versteht, warum Italiener nicht im Supermarkt einkaufen. Europas größter Freiluftmarkt dehnt sich jeden Morgen über einen ganzen Platz aus: Gemüse aus dem Piemont, Gewürze aus aller Welt, Händler, die laut miteinander streiten und trotzdem freundlich sind. Wer früh kommt, bekommt die besten Artischocken. Wer spät kommt, bekommt Rabatt. Wer gar nicht kommt, kauft Tomaten aus dem Kühlregal – und die Nonna schüttelt den Kopf.
Einkaufszentren & Outlets
Wer in der Toskana einen Kühlschrank braucht, fährt in die nächste Provinzstadt – nach Arezzo, nach Siena, nach Livorno. Dort stehen die großen Elektronikhandelsketten an der Stadteinfahrt, eingezäunt wie Fabrikgelände, mit Parkplatz für zweihundert Autos. Die Fahrt dauert meistens eine halbe Stunde, manchmal länger. Lohnt sie sich? Wenn der alte Kühlschrank ausläuft, hat man keine Wahl. Sportschuhe kauft man inzwischen oft online – aber wer Größe 47 trägt und breite Füße hat, fährt trotzdem lieber selbst hin.
Besonderheiten
Aceto Balsamico Tradizionale aus Modena kauft man in Modena – nicht im Supermarkt, sondern direkt beim Produzenten, der die Fässer im Dachgeschoss lagert. Das dauert zwölf Jahre, manchmal fünfundzwanzig. Wer das einmal gekostet hat, versteht, warum die kleine Flasche mehr kostet als eine Flasche Wein. In Sizilien bringt man Cous Cous aus Trapani mit nach Hause – der schmeckt anders als alles, was sonst als Cous Cous verkauft wird. Einheimische kaufen ihn beim Markt am Hafen, freitagmorgens, bevor die Fischer wieder ausfahren.