Shopping in Sehenswürdigkeiten Italien und seine 20 Regionen: Dein Reiseführer

Italien kauft nicht gleich. In Venedig schleppt man Gläser aus Murano heim, in Palermo Mandarinenmarmelade vom Straßenhändler. Wer morgens aus dem Haus geht, trägt abends Olivenöl, Käse oder frische Pasta zurück – je nachdem, wo er gerade steht. Den neuen Pullover kauft man nicht hier: dafür fährt man in die nächste große Stadt. Was man hier vergeblich sucht, hängt davon ab, wo „hier" gerade ist – und das wechselt alle hundert Kilometer.

Einkaufsstraßen

Jede Region hat ihre eigene Hauptachse. In Florenz ist es der Bereich rund um den Ponte Vecchio, eng, laut, voller Goldschmiede und Lederverkäufer. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Einheimische zwischen Touristen durch, kaufen Brot beim Bäcker zwei Gassen weiter und meiden die Souvenirläden an der Fassade. Die echten Geschäfte liegen dahinter. Wer die Straße kennt, biegt früh ab – wer sie nicht kennt, läuft geradeaus und wundert sich über die Preise.

Luxus & Designer

Wer in einer kleinen kalabrischen Stadt ein Hemd von Canali oder Schuhe von Tod's kaufen will, fährt nach Reggio Calabria oder nimmt den Zug nach Neapel. Dort beginnt auf der Via Chiaia das, was man zu Hause nicht findet: Verkäufer, die den Unterschied zwischen zwei Schnitten erklären können, Läden mit Beleuchtung, die Stoff zeigt statt versteckt. Die Fahrt dauert – aber wer einmal dort war, kauft billige Alternativen danach mit schlechtem Gewissen.

Viertel & Boutiquen

In Bologna kaufen Einwohner ihren Aufschnitt nicht in der Touristengasse rund um die Piazza Maggiore. Sie gehen in die Quadrilatero, den alten Marktblock dahinter – enge Gassen, Fleischer mit handgeschriebenen Tafeln, Käsehändler, die keinen Englisch sprechen müssen. Besucher laufen daran vorbei, weil es unscheinbar aussieht. Kein Schild erklärt, was drinnen liegt. Wer fragt, bekommt Antwort. Wer nicht fragt, kauft weiter oben beim Stand mit der Speisekarte auf vier Sprachen.

Märkte & Spezialitäten

Auf Sizilien kauft man Gemüse nicht im Supermarkt, wenn man es vermeiden kann. Die Märkte – in Palermo der Ballarò, in Catania die Pescheria – beginnen früh und enden gegen Mittag. Auf den Tischen liegen Blutorangen, die in Deutschland als Spezialität gelten und hier einfach Orangen heißen. Ein alter Mann verkauft Fenchel aus einer Kiste, die nach seinem Auto riecht. Wer nach zwölf kommt, findet leere Tische und nasse Pflastersteine. Pünktlichkeit lohnt sich hier mehr als anderswo.

Einkaufszentren & Outlets

Wer in der Toskana einen neuen Kühlschrank braucht, fährt nach Florenz oder in ein Gewerbegebiet an der Schnellstraße – große Hallen, freie Parkplätze, Personal mit Tablet. Kleine Dörfer im Val d'Orcia haben keine Elektromärkte. Der nächste liegt dreißig Kilometer entfernt, manchmal mehr. Die Fahrt lohnt sich, wenn man ohnehin mehrere Dinge kauft. Für einen Schraubenzieher fährt niemand so weit – den holt man beim alten Eisenwarenhändler im Ort, falls er noch offen hat.

Besonderheiten

Parmigiano Reggiano kauft man in der Emilia-Romagna direkt beim Produzenten – nicht im Supermarkt, nicht eingeschweißt, sondern aus dem Laib, den der Mann vor dir mit einem Messer aufbricht. In Modena gibt es Essighändler, die Aceto Balsamico Tradizionale in kleinen Flaschen verkaufen, die teurer sind als manche Weine. Einheimische kaufen das zu Weihnachten, zu Geburtstagen, zu Hochzeiten. Es ist kein Mitbringsel – es ist ein Versprechen, dass man weiß, was gut ist.