Italien kauft anders, je nachdem wo du stehst. In Venedig schleppt die Nachbarin Brot vom Bäcker drei Brücken weiter, weil der Supermarkt ihr zu anonym ist. In Palermo liegt abends Aubergine und Ricotta in der Tasche – Marktware, keine Plastikverpackung. Was die Leute suchen und nicht finden: billige Klamotten von der Stange. Wer das will, fährt nach Mailand in die Peripherie. Wer hier bleibt, kauft weniger, aber gezielter – beim Händler, der den Vornamen kennt.
Einkaufsstraßen
Jede Region hat ihre eigene Einkaufsachse. In Florenz ist es nicht die Lungarno, sondern die Via dei Servi, wo Einheimische morgens zwischen neun und elf die Schlange vor der Salumeria bilden. In Neapel drängt sich alles in der Spaccanapoli, laut und eng, die Händler rufen, die Leute antworten. In kleineren Städten wie Matera ist es oft eine einzige Straße ohne Namen auf Google Maps – die mit dem Fischgeschäft links und dem Gemüsehändler gegenüber.
Luxus & Designer
Wer in Umbrien ein Hemd von Brioni will, fährt nach Rom. Von Perugia sind das zwei Stunden, aber die Via Condotti rechtfertigt es. In Mailand liefert die Via Montenapoleone, was zuhause schlicht nicht existiert: Flagship-Stores, eigene Kollektionen, Verkäufer, die nicht drängen. Wer aus Kalabrien kommt, plant das als Reise ein – nicht als Ausflug. Den Unterschied spürt man nicht am Preis, sondern daran, dass das Jackett tatsächlich passt, weil jemand Zeit zum Anpassen hatte.
Viertel & Boutiquen
In Bologna kaufen Einheimische Pasta nicht in der Touristenmeile rund um die Zwei Türme. Sie gehen in die Seitenstraßen hinter dem Mercato delle Erbe, wo eine alte Frau seit dreißig Jahren frische Tortellini verkauft und das Schild verblasst ist. In Palermo ist es der Capo-Markt, nicht der Ballarò – Besucher kennen den zweiten, Einheimische kaufen im ersten. Wer sucht, findet solche Läden überall in Italien, aber nur, wenn jemand aus der Gegend die Tür aufmacht.
Märkte & Spezialitäten
Fast jede italienische Stadt hat ihren Markt – aber wann und wo, das weiß nur, wer dort wohnt. In Catania steht der Fischmarkt La Pescheria täglich morgens am Hafen, der Lärm beginnt um sechs. In Verona öffnet samstags Piazza Isolo mit Gemüse, Käse und gelegentlich einem Mann, der selbst gemachtes Olivenöl aus dem Kofferraum verkauft. In kleineren Ortschaften der Toskana fährt mittwochs ein Lieferwagen auf den Dorfplatz – Gemüse, Eier, manchmal Hühner. Mehr braucht es nicht.
Einkaufszentren & Outlets
Wer in der Basilicata einen neuen Kühlschrank braucht, fährt nach Potenza – oder gleich nach Salerno, wenn der Aufwand sich lohnt. Die großen Elektromärkte wie Euronics oder Unieuro stehen außerhalb der Städte, erreichbar mit dem Auto in dreißig bis fünfzig Minuten. Sportschuhe gibt es in den Geox- oder Decathlon-Filialen an den Stadträndern. Der Ausflug lohnt sich einmal im Jahr, gebündelt mit anderen Besorgungen. Man plant das wie eine kleine Expedition – Einkaufsliste, Mittagessen, Heimfahrt.
Besonderheiten
Parmesan kauft man nicht im Supermarkt, man kauft ihn im Consorzio. In der Provinz Parma öffnen kleine Käsereien samstags ihre Lagerhäuser – dort liegen Laibe, die vierundzwanzig Monate gereift sind, und der Besitzer schneidet die Probe selbst ab. In der Aostatal-Region gibt es Fontina, die außerhalb des Tals anders schmeckt, weil die Bergwiesen fehlen. Einheimische kaufen ihn im Herbst, nach der Alpabfahrt, direkt beim Hirten. Das ist kein Markt, kein Laden – das ist eine Adresse, die man nur mündlich bekommt.