Wer in Riccia lebt, kauft das Tägliche im Ort – Brot, Käse, Wein, manchmal Fleisch. Die Einkaufstasche am Abend trägt lokales Gemüse, eine Zeitung vom Tabacchi und wahrscheinlich etwas aus der kleinen Metzgerei, an der man sowieso jeden Tag vorbeiläuft. Was man hier vergeblich sucht: einen Supermarkt mit großem Parkplatz und allem auf einmal. Für Kleidung, Elektrogeräte oder irgendetwas mit Markenname fährt man raus. Riccia versorgt den Alltag – den Rest holt man sich anderswo.
Einkaufsstraßen
Die Hauptstraße durch den Ortskern ist die eigentliche Achse – nicht schön im touristischen Sinne, aber lebendig zwischen neun und zwölf. Ältere Männer stehen vor dem Tabacchi und reden, ohne etwas zu kaufen. Eine Frau mit Stofftasche wartet vor dem kleinen Lebensmittelladen, bis die Nachbarin mit ihrer Bestellung fertig ist. Die Straße ist schmal, Autos parken halb auf dem Gehsteig. Wer hier einkauft, grüßt den Händler beim Reingehen – und erzählt beim Rausgehen noch kurz, was in der Familie los ist.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Schuhe einer bekannten Marke will, fährt nach Campobasso – etwa zwanzig Kilometer, eine halbe Stunde bergauf und bergab durch den Molise. Dort gibt es Läden, die so etwas führen, und eine kleine Fußgängerzone mit Schaufenstern, die in Riccia niemand kennt. Manche fahren auch nach Foggia oder Neapel, wenn der Anlass größer ist – eine Hochzeit, ein Abschluss. Riccia schickt seine Leute für solche Käufe los, ohne sich dafür zu entschuldigen.
Viertel & Boutiquen
Etwas abseits der Hauptstraße, in einer der ruhigeren Gassen Richtung älterer Ortskern, kaufen Einheimische bei Leuten, nicht in Läden. Wer Olivenöl braucht, fragt beim Nachbarn, dessen Familie Bäume hat. Wer Käse will, kennt jemanden, der Schafe hält, oder weiß, wer das beste Angebot im nächsten Weiler hat. Diese Gassen sehen für Besucher aus wie reine Wohngassen – kein Schild, kein Schaufenster. Aber ein Klingelton, eine Textnachricht, und man bekommt einen Liter Öl wie aus dem Nichts.
Märkte & Spezialitäten
An einem Markttag – und ob es einen festen gibt, ist je nach Saison und Anlass verschieden – kommen ein paar Händler mit Gemüse, Kleidung und Haushaltsware. Die Tische stehen auf dem Platz, die Einheimischen kommen früh, die Händler kennen ihre Stammkunden. Wer nicht auf den Markttag warten will, fährt zum Bauern am Ortsrand oder bittet jemanden mitzubringen. Frische Tomaten im August kauft man in Riccia nicht im Laden – man fragt, wer gerade erntet.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht oder Sportschuhe, fährt nach Campobasso. Die Fahrt dauert etwa dreißig Minuten, und man findet dort Elektromärkte und Schuhgeschäfte, die in Riccia niemand betreibt. Manche planen die Fahrt bewusst: erst Behördengang in der Provinzhauptstadt, dann Einkauf, dann zurück. Es lohnt sich, wenn der Bedarf größer ist. Wer nur einen Adapter oder ein Ladekabel braucht, fragt erst im Ort – manchmal hat der Elektriker noch was im Lager, das er nicht extra aushängt.
Besonderheiten
Im Molise wächst die Weintraube Tintilia – und in der Umgebung von Riccia kaufen Einheimische diesen Wein direkt beim Erzeuger, nicht im Regal. Wer die richtige Familie kennt, nimmt Flaschen mit, die keinen Aufkleber tragen und nirgendwo sonst auftauchen. Dazu kommen lokale Käsesorten und die Caciocavallo-Variante aus der Region, die anders schmeckt als der polierte Supermarkt-Caciocavallo aus dem Norden. Zu Ostern und Weihnachten kaufen Familien diese Dinge gezielt – nicht aus Nostalgie, sondern weil sie schlicht besser sind.