Wer morgens in Rieti unterwegs ist, trägt abends Brot vom Bäcker nach Hause, nicht vom Supermarkt. Die Leute kaufen hier, was täglich gebraucht wird – frisches Gebäck, Käse, ein gutes Stück Fleisch vom Metzger im Viertel. Wer ein Markenparfum sucht oder Schuhe mit einem bestimmten Label, fährt nach Rom. Das wissen alle, keiner beschwert sich laut darüber. Die Einkaufstasche am Abend ist voll mit dem, was die Stadt gut kann – und leer bei dem, was sie nie wollte.
Einkaufsstraßen
Die Via Roma ist die Ader, auf der sich Rieti morgens sortiert. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Frauen mit Trolleys an kleinen Modeboutiquen vorbei, Männer stehen vor dem Tabaccaio und reden. Keine Hast, kein Gedränge – wer drängelt, ist Tourist. Die Läden sind eng, die Auslagen vollgestopft, der Boden aus altem Pflaster. Wer eine Stunde lang nichts kauft, sondern nur läuft, versteht wie die Stadt tickt.
Luxus & Designer
Wer in Rieti ein gutes Hemd oder Markenschuhe sucht, packt das Auto ein und fährt nach Rom – neunzig Kilometer, eine Stunde auf der A24. Dort landet man in der Via Condotti oder den Galerien rund um die Piazza di Spagna. Zuhause findet man das nicht. Es gibt in Rieti solide kleine Boutiquen für Alltagsmode, aber kein Flagshipstore, kein Luxussegment. Die Rietiner akzeptieren das pragmatisch: Rom ist nah genug für den einen Samstag im Jahr, an dem es wirklich drauf ankommt.
Viertel & Boutiquen
Im alten Stadtkern, rund um die kleinen Gassen hinter der Kathedrale, gibt es Läden ohne Schaufenster und ohne Schild. Man klopft, man kennt den Besitzer, man kauft. Ein alter Herr verkauft dort seit Jahrzehnten Haushaltswaren, die man anderswo nicht findet – Töpfe, Scharniere, Werkzeug. Besucher laufen daran vorbei, weil nichts nach Laden aussieht. Die Einheimischen wissen: Wenn die Tür offen steht, ist er da. Wenn nicht, kommt man morgen wieder.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags baut sich auf dem Piazza Vittorio Emanuele II ein Markt auf. Gemüsebauern aus dem Umland stellen Kisten mit Zucchini, Tomaten und Paprika auf Klapptische. Ein Mann verkauft Socken in zehn Farben, eine Frau daneben Tischtücher. Die Stammkunden kommen früh – wer um elf kommt, bekommt, was übrig ist. Der Markt ist laut, ein bisschen chaotisch, und genau deswegen gehen die Leute gerne hin. Man kauft kein Gemüse aus Spanien, man kauft das, was in dieser Woche gereift ist.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine braucht, fährt Richtung Rieti-Stadtrand – dort sitzen die Elektronikmärkte und die großen Möbelhäuser an der Ausfallstraße nach Terni oder Richtung Autobahn. Die Fahrt dauert keine zwanzig Minuten aus der Innenstadt. Für Sportschuhe lohnt sich manchmal die Fahrt nach Rom, weil die Auswahl in den Ketten dort deutlich größer ist. Rietiner fahren selten nach Terni – Rom liegt in der anderen Richtung und zieht stärker.
Besonderheiten
In den Hügeln rund um Rieti wächst Olivenöl, das man im Supermarkt nicht findet. Lokale Produzenten verkaufen es direkt ab Hof oder in kleinen Delikatessenläden im Stadtzentrum – ungefiltert, dunkelgrün, mit einem Schärfepegel, der einen kurz überrascht. Dazu gibt es Pecorino aus der Sabina-Region, der anders schmeckt als der aus dem Handel. Rietiner kaufen beides als Geschenk, wenn jemand aus dem Norden zu Besuch kommt. Nicht weil man es muss – sondern weil man dann sieht, wie das Gesicht aufgeht.