Wer in Rimini morgens die Einkaufstasche packt, denkt in zwei Richtungen. Die Stadt selbst versorgt den Alltag: Brot vom Bäcker, Gemüse vom Markt, Kaffee an der Theke. Was darüber hinausgeht – ein Mantel, ein Laptop, Markenschuhe – wandert in den Kofferraum. Die Adriaküste zieht im Sommer Millionen Touristen an, und der Handel hat sich darauf eingestellt. Wer in Rimini lebt, weiß genau, welche Läden für Einheimische sind und welche für Leute, die drei Tage bleiben.
Einkaufsstraßen
Die Corso d'Augusto ist die Ader der Stadt. Samstags um elf ist sie voll – Rentner mit Rollatoren, Mütter mit Kinderwagen, Schulkinder auf dem Rückweg. Die Läden hier sind gemischt: ein Optiker neben einer Boutique, eine Apotheke, eine Bar, in der niemand sitzt, weil alle stehen. Zwischen neun und zwölf gehört die Straße den Einwohnern. Die Touristen kommen später. Wer früh kommt, findet noch einen Parkplatz in der Seitenstraße und trifft die Nachbarin beim Metzger.
Luxus & Designer
Ein gutes Hemd kauft man in Rimini nicht. Das klingt hart, stimmt aber. Wer Markenware will, fährt nach Bologna – neunzig Minuten auf der A14, und dann stehen die Geschäfte offen: die großen Namen, die Boutiquen in den Arkaden, das Leder, das man anfassen will, bevor man kauft. Manche fahren auch nach Riccione, das nur zwanzig Minuten südlich liegt und eine dichtere Modemeile hat. Rimini schaut von dort aus manchmal ein wenig provinziell aus – aber das sagen nur die, die selbst aus Rimini kommen.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Fischmarkt, in den Gassen um die Piazza Cavour, gibt es Läden, die kein Schild brauchen. Eine alte Frau verkauft dort hausgemachte Pasta aus dem Erdgeschoss ihres Hauses – wer nicht weiß, wo es klingelt, findet es nicht. Daneben ein Eisenwarenhändler, der seit dreißig Jahren denselben Laden betreibt. Besucher laufen durch, suchen ein Souvenir, finden keines. Einwohner kaufen hier Schrauben, Wachstuch, Kabelbinder. Es riecht nach Metall und altem Holz, und der Mann hinter dem Tresen kennt jeden beim Namen.
Märkte & Spezialitäten
Der Mercato Civico an der Piazza Cavour ist kein Spektakel – er ist Alltag. Dienstagvormittags stehen die Standbetreiber seit sechs Uhr. Fischhändler aus dem Hafen, Gemüse aus dem Hinterland, ein Mann mit selbstgemachtem Käse, dem man nicht zu lange auf die Hände schauen sollte, weil man sonst kauft, bevor man den Preis kennt. Wer spät kommt, nach zehn, bekommt nur noch die Reste. Die Einwohner wissen das. Sie sind früh da, sie kennen die Gesichter, und sie zahlen anders als Fremde.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank fährt man raus. An der Ausfallstraße Richtung San Marino, kurz hinter dem Stadtrand, liegt ein Gewerbegebiet mit allem, was groß ist und viel Platz braucht: Elektrofachmärkte, Möbelhäuser, Sportartikelketten. Die Fahrt dauert fünfzehn Minuten, wenn kein Stau ist. Im Sommer ist immer Stau. Man fährt trotzdem, weil es keine Alternative gibt, und weil man beim Fahren schon ausrechnet, ob der neue Kühlschrank besser ist als der alte, der seit drei Wochen verdächtig laut brummt.
Besonderheiten
Piadina kauft man überall – aber nicht überall gut. In Rimini gibt es Stände, die seit Generationen dieselbe Frau führt, dieselbe Rezeptur, denselben Teig. Der Fladen kommt heiß vom Stein, die Füllung wird nicht gefragt, sondern vorgeschlagen. Einwohner kennen ihren Stand und gehen zu keinem anderen. Daneben: Sangiovese aus dem Hinterland, den kein Supermarkt in Deutschland führt – man kauft ihn direkt beim Erzeuger, zehn Kilometer landeinwärts, in Fässern, die man selbst abfüllt. Das ist kein Ausflug. Das ist eine Pflicht.