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Wer hier morgens aufsteht und Brot braucht, geht zu Fuß – nicht in einen Supermarkt. Die kleinen Bäckereien in der Innenstadt kennen ihre Stammkunden beim Namen. Käse, Aufschnitt, frisches Gemüse: das regelt man in den kleinen Lebensmittelläden rund ums Zentrum. Was in der Einkaufstasche abends fehlt, sind Markenartikel und Elektronik – die kauft niemand hier. Dafür fährt man nach Melfi oder weiter nach Potenza. Rionero versorgt sich selbst beim Wesentlichen, alles andere organisiert man mit dem Auto.
Einkaufsstraßen
Der Corso Vittorio Emanuele ist die Ader, auf der sich der Tag entscheidet. Vormittags, zwischen neun und zwölf, passiert hier alles gleichzeitig: Frauen mit Einkaufstaschen, Männer vor dem Bar-Eingang mit dem ersten Kaffee, ein Lieferwagen, der keine Durchfahrt hat. Die Läden hier sind klein, die Auslagen bescheiden, aber die Inhaberinnen wissen, was vorgestern noch im Regal lag. Wer neu in der Stadt ist, merkt schnell: Diese Straße läuft auf Beziehung, nicht auf Laufkundschaft.
Luxus & Designer
Ein gutes Hemd kauft man hier nicht. Das ist keine Kritik – das ist einfach die Lage. Wer etwas von einer bekannten Marke will, fährt nach Potenza, knapp vierzig Kilometer über die Berge. Dort gibt es das Centro Commerciale Polo Commerciale, und die Auswahl ist eine andere Welt. Manche fahren auch nach Foggia, weil die Straße besser ist und die Geschäfte größer. Rionero schickt seine Leute los – und die kommen mit vollen Taschen wieder. Das gehört hier einfach dazu.
Viertel & Boutiquen
Es gibt Läden in den Seitenstraßen unterhalb des Zentrums, die kein Schild nach außen tragen. Kein Besucher läuft dort entlang, weil der Weg dorthin nicht logisch erscheint. Ein kleiner Weinladen, geführt von einem älteren Mann, der seinen Aglianico direkt vom Produzenten aus der Vulture-Region bezieht – hier kaufen die Einheimischen ihren Tischweins nicht im Supermarkt, sondern mit Kanister und Handschlag. Besucher kennen diesen Ort nicht, weil niemand ein Schild braucht, wenn die Stammkunden sowieso kommen.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs steht der Wochenmarkt auf dem Platz beim Eingang der Stadt – das ist der Morgen, auf den manche Rentnerinnen die ganze Woche warten. Gemüse aus der Umgebung liegt auf improvisierten Tischen, ein Mann verkauft Haushaltsware aus dem Transporter, eine Frau ruft den Preis für Tomaten, ohne gefragt zu werden. Wer früh kommt, findet Pilze aus den Wäldern rund um den Monte Vulture. Wer nach zehn kommt, findet noch die Auslese – und ein Gespräch, das nicht auf der Einkaufsliste stand.
Einkaufszentren & Outlets
Einen Kühlschrank kauft man nicht in Rionero. Wer Haushaltsgeräte oder Sportschuhe braucht, fährt nach Melfi – zwanzig Minuten, und dort gibt es Elektromärkte und ein größeres Angebot an Kleidung und Schuhen. Für wirklich große Anschaffungen oder Markenware fährt man nach Potenza. Die Fahrt lohnt sich, wenn man mehrere Erledigungen bündelt – den Arzt, die Behörde, den Einkauf. Das ist hier eine Art stilles Wissen: Man plant den Tag um die Fahrt, nicht die Fahrt um den Tag.
Besonderheiten
Der Aglianico del Vulture wächst auf den Vulkanhängen direkt vor der Stadt, und wer ihn hier kauft, kauft ihn anders als im Weinladen in der Großstadt. Einige kleine Produzenten im Umland verkaufen direkt ab Hof – keine Webseite, kein Versand, nur ein Anruf und ein Besuch. Daneben: der Caciocavallo Podolico, ein Käse aus der Gegend, der mit dem Alter schärfer und teurer wird. Den findet man nicht im Supermarkt – man fragt beim Metzger, und der sagt, wo man klingeln soll.