Shopping in Saluzzo

Die Einkaufstasche eines Saluzzesen sieht abends so aus: Brot vom Bäcker in der Altstadt, Gemüse vom Wochenmarkt, vielleicht ein Stück Käse vom Händler, der seinen Laden seit dreißig Jahren nicht umgebaut hat. Was fehlt, sind große Ketten. Wer ein Markenshirt sucht, findet es hier nicht. Wer einen Elektroherd braucht, fährt raus. Der tägliche Einkauf funktioniert in Saluzzo noch auf zwanzig Metern Fußweg – der außergewöhnliche beginnt erst auf der Staatsstraße Richtung Cuneo.

Einkaufsstraßen

Die Via Spielberg ist nicht die schönste Straße, aber die, auf der zwischen neun und zwölf Uhr morgens wirklich etwas passiert. Rentnerinnen mit Trolleys, Mütter mit Kinderwagen, der Metzger, der kurz vor die Tür tritt. Die Fassaden sind unspektakulär, die Läden klein und aneinandergepresst. Hier kauft man keine Souvenirs. Hier kauft man Wurst, Putzmittel und Strumpfhosen. Touristen laufen an dieser Straße vorbei, weil die mittelalterliche Altstadt oben auf dem Hügel schöner aussieht – aber die Einheimischen kaufen hier unten.

Luxus & Designer

Wer in Saluzzo ein gutes Hemd einer bekannten Marke braucht, fährt nach Cuneo. Das sind knapp dreißig Kilometer, mit dem Auto eine halbe Stunde. In Cuneo gibt es eine ordentliche Fußgängerzone mit Boutiquen, etwas Markenware und einen Einkaufspark am Stadtrand. Wer ernsthaft shoppen will – Schuhe einer italienischen Ledermarke, einen Anzug für die Hochzeit der Nichte – fährt manchmal bis Turin. Zweimal im Jahr lohnt das. Danach kommt man mit großen Tüten zurück und weiß wieder, warum man den Rest des Jahres hier bleibt.

Viertel & Boutiquen

Die Läden, die kein Besucher betritt, liegen im unteren Teil der Stadt, abseits der Gassen mit den Fresken und den Bogengängen. Dort gibt es einen Haushaltswarenhändler, dessen Schaufenster seit Jahren nicht verändert wurde – innen findet man alles vom Korkenzieher bis zur Gummidichtung. Einheimische kennen ihn seit der Kindheit. Sie klingeln auch dann, wenn er eigentlich geschlossen hat. Besucher suchen oben in der Altstadt nach Postkarten. Die richtigen Läden liegen unten, ohne Schild, ohne Öffnungszeiten im Internet.

Märkte & Spezialitäten

Mittwoch und Samstag: Dann öffnet in Saluzzo der Wochenmarkt auf dem Piazzale della Vittoria. Samstags ist er größer, samstags kommen auch Leute aus den umliegenden Dörfern. Die Tische biegen sich unter Gemüse aus dem Cuneese – Peperoni, Zucchini, Tomaten, die noch nach Erde riechen. Dazwischen: Socken, Schürzen, Haushaltswaren. Wer mittwochs zu spät kommt, findet nur noch die zweite Wahl. Wer samstags früh da ist, kauft Pfirsiche aus dem Obstanbaugebiet direkt vor der Stadt – die beste Frucht des Jahres, für wenig Geld.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man nach Cuneo oder in die Gewerbegebiete an der Ausfallstraße zwischen Saluzzo und der Provinzhauptstadt. Dort stehen die üblichen großen Elektronikmärkte und Sportgeschäfte. Die Fahrt dauert keine vierzig Minuten, aber man plant den halben Tag ein. Lohnenswert ist das bei größeren Anschaffungen – oder wenn im Herbst die Sonderangebote kommen und die halbe Stadt gleichzeitig auf dem Parkplatz steht und überlegt, ob der neue Fernseher wirklich ins Auto passt.

Besonderheiten

Das Saluzzese ist Pfirsichland. Im Sommer stehen an den Straßen zwischen Saluzzo und Lagnasco kleine Verkaufsstände direkt vor den Obstgärten – manchmal mit Waage, manchmal nur mit einem Korb und einer Kasse ohne Kassierer. Man legt das Geld hin und nimmt die Pfirsiche. Wer einmal so einen Pfirsich gegessen hat, kauft danach keinen mehr aus dem Supermarkt. Einheimische kommen jedes Jahr zum gleichen Bauer, fragen nach der Ernte, kaufen kistenweise. Das ist kein Markt und kein Laden – das ist einfach, wie es hier gemacht wird.