Morgens um acht trägt fast jeder hier eine Plastiktüte vom Fischhändler. San Benedetto del Tronto lebt vom Meer, und das merkt man beim Einkaufen sofort. Fisch kauft man direkt am Hafen – frischer geht es nicht. Gemüse holt man beim Markt oder beim kleinen Laden ums Eck. Kleidung der großen Marken sucht man dagegen vergeblich. Wer ein bestimmtes Label will, fährt weg. Die Einkaufstasche am Abend ist voll mit Lebensmitteln – und leer, wenn es um Mode geht.
Einkaufsstraßen
Der Corso Trieste ist die Ader, auf der die Stadt wirklich pulsiert. Zwischen neun und zwölf Uhr ist der Bürgersteig schmal und voll: Rentner mit Rollator, Mütter mit Kinderwagen, Ladenbesitzer, die ihre Ware nach draußen stellen. Die Bar an der Ecke hat keinen freien Platz mehr. Wer hier steht, sieht alles – den Bäcker, der Bleche raushält, den Zeitungshändler, der jeden Stammkunden beim Namen kennt, und die Apotheke, vor der immer zwei Leute warten.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Schuhe einer bekannten Marke sucht, fährt nach Pescara. Die Strecke entlang der Küste dauert etwa eine Stunde, und Pescara hat das, was hier fehlt: Flagship-Stores, größere Boutiquen, die Auswahl, die man aus deutschen Innenstädten kennt. Ascoli Piceno liegt näher und hat einige gepflegte Läden in der Altstadt, aber das Angebot ist überschaubar. San Benedetto selbst hat Bekleidungsläden – solide, lokal, aber keine Namen, mit denen man zu Hause prahlt.
Viertel & Boutiquen
Der alte Fischerhafen, der Porto d'Ascoli genannte südliche Teil der Stadt, hat Läden, an denen Touristen einfach vorbeigehen. Kleine Hinterhofläden verkaufen Netzzubehör, Konserven, Werkzeug – Dinge, die Fischer und Handwerker brauchen. Wer hier einkauft, kennt den Besitzer seit zwanzig Jahren. Es gibt keinen Schaukasten, keine Werbung, manchmal nicht mal ein Schild. Man weiß, dass der Laden da ist, weil der Vater schon dort war. Touristen suchen die Promenade – Einheimische biegen vorher ab.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags baut sich der Markt auf, und wer früh kommt, trifft die halbe Stadt. Die Gemüsehändler kennen ihre Stammkunden beim Namen und legen das Beste schon beiseite. Auf den Tischen liegen Zucchini, Paprika, lokale Tomaten – alles, was die Saison gerade hergibt. Dazwischen Socken, Haushaltswaren, billige Synthetikjacken. Die Nonna verhandelt über jeden Cent, der Händler macht am Ende trotzdem ein gutes Geschäft. Ohne Markt wäre der Dienstagvormittag in der Stadt deutlich ruhiger.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man nach Ascoli Piceno oder zur Zona Industriale bei San Benedetto selbst, wo ein paar Fachmärkte direkt an der Ausfallstraße stehen. Die großen Elektroketten sind dort vertreten, und die Parkplätze sind groß genug, dass man mit dem Auto direkt vor die Tür fährt. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will – wer noch vergleicht, fährt lieber gleich nach Pescara, wo die Auswahl größer und die Preise manchmal schärfer sind.
Besonderheiten
Den Fisch kauft man hier anders als irgendwo sonst. Am frühen Morgen legen die Boote an, und wer am Hafen wartet, kauft direkt vom Fischer – keine Zwischenstufe, kein Supermarkt. Mazzancolle, die lokalen Garnelen, bekommt man frischer als hier nirgendwo in der Region. Einheimische kommen an bestimmten Wochentagen, weil sie wissen, welche Boote dann zurückkehren. Das ist kein Markt, kein Laden – das ist ein Handschlag und eine Plastiktüte voller Meer.