Shopping in San Gimignano

Wer hier wohnt, hat schnell gelernt: Die Türme sind für die Touristen, die kleinen Läden auf der Hauptstraße auch. Die Einheimischen kaufen Brot beim Bäcker unten an der Via San Giovanni, nicht bei dem mit dem hübschen Schild daneben. Abends liegt Vernaccia in der Tasche, manchmal Zafferano aus einem der Hofläden vor den Toren. Was hier fehlt? Alles zwischen Käse und Elektrogerät. Wer eine Jeans oder einen Koffer braucht, fährt nach Poggibonsi – das weiß jeder, der länger als einen Sommer geblieben ist.

Einkaufsstraßen

Die Via San Giovanni ist nicht die schönste Straße – aber die, auf der sich wirklich alles abspielt. Zwischen neun und zwölf Uhr morgens schieben sich Handwerker, Rentnerinnen mit Trolley und erste Reisegruppen aneinander vorbei. Die Frauen mit den vollen Taschen kennen jedes Gesicht hinter den Ladentischen. Die Touristen fotografieren die Fassaden. Wer zum Gemüsehändler in der Mitte der Straße will, muss an drei Souvenirläden vorbei – das gehört dazu, man macht es trotzdem jeden Tag.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd oder Schuhe einer bekannten Marke sucht, packt das Auto und fährt nach Siena – eine gute halbe Stunde, wenn der Verkehr passt. Die Via Banchi di Sopra hat die Läden, die man hier vermisst. Manche fahren auch nach Florenz für einen Nachmittag, vor allem wenn Hochzeit ist oder ein besonderes Geschenk fällig wird. In San Gimignano selbst gibt es Lederwaren – aber das ist Touristenware, die Einheimischen wissen das genau und sagen es auch.

Viertel & Boutiquen

Der Bereich rund um die Piazza della Cisterna hat eine Seite, die kein Reiseführer zeigt: die kleinen Lücken zwischen den Häusern, wo ein Händler Wein direkt vom Produzenten verkauft – kein Etikett, kein Regal, man klingelt und kennt ihn schon. Besucher laufen daran vorbei, weil nichts danach aussieht. Einheimische kaufen dort seit Jahren. Es gibt kein Schild. Man kommt hin, weil es einem jemand gezeigt hat, und dann zeigt man es selbst weiter.

Märkte & Spezialitäten

Donnerstags steht auf der Piazza del Duomo ein kleiner Markt – nicht groß, nicht laut, aber verlässlich. Eine Handvoll Stände: Gemüse aus der Umgebung, ein Mann mit Oliven in verschiedenen Farben, manchmal Käse von einem Hof aus dem Val d'Elsa. Die Frauen kommen früh, die besten Tomaten sind um halb zehn schon weg. Wer verschläft, kauft beim kleinen Alimentari in einer der Seitengassen – der hat fast alles, kennt seine Kundschaft und legt zurück, wenn man ihn fragt.

Einkaufszentren & Outlets

Wer einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine braucht, fährt nach Poggibonsi. Fünfzehn Minuten mit dem Auto, und man steht vor dem Gewerbegebiet, das San Gimignano nicht hat und nie haben wird. Dort gibt es Elektromärkte, Möbelhäuser, alles. Die Leute hier fahren nicht gern hin – die Stadt ist ungemütlich, zu flach, zu neu. Aber es geht nicht anders. Sportschuhe kauft man dort auch, oder man bestellt online. Beides passiert, beides wird kommentarlos akzeptiert.

Besonderheiten

Der Vernaccia di San Gimignano ist nicht nur etwas für Besucher – die Einheimischen trinken ihn wirklich, und sie kaufen ihn direkt beim Weingut, nicht in der Cantina mit dem Holzschild am Stadttor. Wer weiß, wo er klingeln muss, zahlt weniger und bekommt mehr. Und dann ist da der Safran: Zafferano di San Gimignano hat das EU-Gütesiegel, die kleinen roten Fäden kommen von Feldern direkt vor der Stadt. Zur Ernte im Herbst kaufen die Einheimischen ihn beim Bauern – einmal im Jahr, in kleinen Mengen, als wäre er Gold.