Morgens kauft man Brot und Cornetti beim Bäcker im Zentrum, nicht im Supermarkt. Die Einkaufstasche am Abend enthält Käse vom Alimentari, vielleicht ein halbes Kilo Mortadella – die hier wirklich anders schmeckt als in Bologna. Was man vergeblich sucht: ein großes Kaufhaus, eine Kette für Elektronik, ein Schuhgeschäft mit mehr als drei Auslagen. Wer das braucht, fährt. Das wissen alle hier, und niemand beschwert sich laut darüber.
Einkaufsstraßen
Die Hauptachse durch den alten Ortskern ist nicht die breiteste Straße – aber zwischen neun und zwölf Uhr ist sie das Zentrum von allem. Ältere Frauen schieben Trolleys, der Metzger stellt Kisten vor die Tür, zwei Männer reden vor dem Tabacchi länger als geplant. Die Läden wechseln sich ab: ein Papierwaren-Geschäft, eine Apotheke, ein kleines Textilgeschäft mit Hemden im Fenster. Keine Stoßzeiten, keine Hektik – aber es passiert mehr, als es aussieht.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Schuhe von Geox oder ähnlichem will, fährt nach Bologna. Dreißig Minuten mit dem Auto, dann steht man in der Via Indipendenza oder in einem der Einkaufszentren am Stadtrand. In San Giovanni selbst gibt es kleine Modeboutiquen – solide, ehrlich, ohne Aufregung. Aber wer eine bestimmte Marke braucht oder einfach Auswahl möchte, trifft diese Entscheidung bewusst. Der Samstag nach Bologna ist hier kein Ausflug, sondern ein Erledigungstermin.
Viertel & Boutiquen
Besucher laufen durch den Hauptplatz und glauben, alles gesehen zu haben. Einheimische biegen ab. Hinter dem Zentrum gibt es kleine Läden, die kein Schild draußen brauchen, weil ihre Stammkunden sie seit Jahren kennen. Ein Haushaltswaren-Geschäft zum Beispiel, vollgestopft bis unter die Decke – Töpfe, Scharniere, Besenstiele. Niemand sucht es per Google. Man geht dort hin, weil die Mutter schon dort hingegangen ist. Touristen kaufen Postkarten. Die Einheimischen kaufen Klebeband und Schüsseln.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags öffnet der Markt auf dem zentralen Platz, dem Piazzale. Gemüsebauern aus der Umgebung stellen Kisten mit Zucchini, Tomaten und Radicchio auf. Ein Stand verkauft Unterwäsche in allen Größen, ein anderer Haushaltswaren. Ältere Männer kaufen Socken, junge Mütter prüfen Obst. Was hier liegt, kam heute Morgen vom Feld – das ist kein Werbeversprechen, das ist einfach die Entfernung zwischen diesem Markt und den Feldern dahinter.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man ins Castenaso-Gebiet östlich von Bologna oder zu einem der großen Einkaufszentren entlang der Via Emilia. Zwanzig bis vierzig Minuten, je nach Verkehr auf der SS9. Die Fahrt lohnt sich, wenn man wirklich vergleichen will – mehrere Elektromärkte, ein MediaWorld, Schuhketten, alles auf einmal erledigt. In San Giovanni kauft man das nicht spontan. Man plant den Tag, fährt morgens, ist mittags zurück.
Besonderheiten
Die Mortadella aus dieser Gegend ist kein Marketingversprechen – sie schmeckt anders, weil sie von kleinen Produzenten stammt, die für Bologna-Standards zu klein sind und für Supermarktketten zu eigensinnig. Beim lokalen Metzger im Zentrum kauft man sie aufgeschnitten, so dick wie man möchte. Zu Ostern gibt es außerdem den Crescentone – ein lokales Brot, das Bäcker hier backen und das man anderswo schlicht nicht bekommt. Wer nicht zum richtigen Zeitpunkt fragt, verpasst es.