Die Einkaufstasche am Abend sieht hier meistens gleich aus: Brot vom kleinen Bäcker im Ortskern, Gemüse vom Händler um die Ecke, vielleicht ein Stück Käse vom Alimentari, dem Laden, den jeder kennt und für den man keinen Namen braucht. Die Leute kaufen bewusst hier, was frisch und täglich ist. Was sie hier nicht finden: ein gutes Buchgeschäft, Markenkleidung, größere Elektronik. Dafür nimmt man ohne Zögern die Brücke nach Turin – das ist keine Niederlage, das ist einfach der Plan.
Einkaufsstraßen
Die Straße, auf der sich das meiste abspielt, ist kein Boulevard. Sie ist schmal, geparkte Autos auf beiden Seiten, ein Schaufenster neben dem nächsten – Friseur, Tabacchi, kleines Lebensmittelgeschäft. Zwischen neun und zwölf Uhr morgens gehört der Gehweg den älteren Herrschaften mit Trolley und Zeit. Sie stehen kurz beim Bäcker, kurz beim Gemüsehändler, kurz vor der Bar. Kein Hetzen. Wer neu in die Stadt kommt, läuft diese Straße einmal lang – und weiß danach, wie der Ort funktioniert.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Schuhe einer bekannten Marke kaufen will, fährt nach Turin. Das ist keine große Sache – die Brücke liegt praktisch vor der Haustür, in zwanzig Minuten steht man auf der Via Roma, wo die Marken sitzen. Man fährt dorthin, wenn man etwas Besonderes sucht, wenn eine Hochzeit ansteht oder der Sohn Kommunion hat. Was man dort bekommt und zuhause nicht: Auswahl, Beratung, Umkleide ohne Warteschlange. Wer klug ist, kombiniert es mit einem Espresso in der Galleria Subalpina – das gehört dazu.
Viertel & Boutiquen
Es gibt einen Laden, den Besucher nie betreten, weil sie ihn für geschlossen halten. Die Tür steht halb offen, drinnen riecht es nach Reinigungsmittel und altem Holz, hinten sitzt jemand hinter einem Vorhang. Hier kaufen Einheimische, was man nicht im Internet bestellt: eine Schaufel, ein Schloss, Nägel in der richtigen Größe. Es ist die Art Eisenwarenhandlung, die es in Turin schon lange nicht mehr gibt. Der Besitzer kennt jeden Kunden beim Namen und merkt sich, was man letztes Mal gefragt hat.
Märkte & Spezialitäten
Donnerstags baut sich auf einem der Plätze im Ortskern ein kleiner Wochenmarkt auf – keine Touristenattraktion, keine Spezialitätenstände. Ein paar Gemüsekisten, ein Mann mit Oliven und eingelegten Peperoni, eine Frau, die Hosen und Unterwäsche verkauft. Wer früh kommt, bekommt die besten Zucchini. Wer gegen elf kommt, findet noch die Sonderangebote. Die Stammkunden kennen die Händler seit Jahren, das Feilschen ist leise und freundlich, und niemand macht ein Foto davon.
Einkaufszentren & Outlets
Für den Kühlschrank, die Waschmaschine, die Sportschuhe fährt man in Richtung Turin oder zum nächsten Gewerbegebiet außerhalb. Die Fahrt dauert keine halbe Stunde, die großen Handelshäuser liegen gut erreichbar an der Ausfallstraße. Man fährt samstags, nimmt jemanden mit, der das Maßband in der Tasche hat, und isst hinterher irgendwo Pizza. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will – wer ohne Plan kommt, fährt meistens zweimal.
Besonderheiten
Was San Mauro Torinese besonders macht, liegt am Po. Die Gemeinde grenzt direkt an den Fluss, und damit an eine Küche, die das ernst nimmt. In bestimmten Restaurants und kleinen Delikatessenläden der Gegend findet man frischen Süßwasserfisch – Forelle, Wels, Barsch – der nicht aus dem Großmarkt kommt. Ein paar Einheimische wissen noch, wo man ihn direkt kauft. Die geben die Adresse nicht laut weiter. Man erfährt sie nach dem dritten gemeinsamen Espresso.