Geheimtipps in Sanremo

📍 Besondere Orte & wenig bekannte Plätze

Die Caruggi der Altstadt – La Pigna – steigen in engen Kehren den Hügel hinter dem Bahnhof hinauf. Die Gassen messen an manchen Stellen weniger als zwei Meter zwischen den Hauswänden, gebaut aus dem ockerfarbenen Verputz über Bruchsteinmauerwerk, das man hier und da blank sieht, wo der Putz abgefallen ist. Die Via del Castillo etwa funktioniert heute weniger als Touristenweg denn als Versorgungsachse: Morgens gegen sieben schleppen Rentnerinnen Taschen mit Gemüse hinauf, mittags zieht ein muffiger Geruch von Katzenfutter durch die Schatten, abends sitzen Männer auf Plastikstühlen vor Haustüren.

🍝 Regionale Spezialitäten & typische Lokale

Die Sardenaira ist keine Pizza, auch wenn sie so aussieht. Der Teig ist dicker, ölgetränkter, mit einer dichten Paste aus zermörsten Sardellen und schwarzen Oliven bestrichen – keine Tomatensauce im neapolitanischen Sinne. Der Geschmack ist salzig, intensiv, mit einem langen Nachhall von Fischsalz und Oregano. Erhältlich in Backstuben entlang der Corso Matteotti, wo Bäcker sie in großen rechteckigen Blechen auslagen und auf Wunsch in Streifen schneiden. Das Klima der ligurischen Küste, feucht und windgeschützt durch den Apenninenrücken, begünstigt die Olivensorte Taggiasca, die hier für das nötige milde Öl sorgt.

🧑‍🤝‍🧑 Lokales Leben & typische Nutzungen

Der Markt auf der Piazza Eroi Sanremesi, dienstags und samstags in den frühen Morgenstunden, ist der eigentliche Versammlungspunkt. Hier treffen sich Frauen über sechzig, Gemüsehändler aus dem Hinterland, Blumenzüchter mit Schnittbündeln aus den Serrenanlagen zwischen Sanremo und Coldirodi. Getrunken wird ein Caffè aus dem Plastikbecher, gekauft werden Topinambur und winterliche Kohlsorten. Die Gespräche drehen sich um Wetteraussichten und Verwandtschaftsklatsch, nicht um Festivalneuigkeiten. Gegen zehn Uhr sind die besten Stände leergekauft, der Markt löst sich auf, die Einheimischen verschwinden in Richtung Altstadt.

🏘️ Bauweise & Stadtstruktur

Wer aufmerksam durch das Borgo der Belle-Époque-Quartiere östlich der Via Roma geht, stößt auf eine wiederkehrende Fensterform: hochrechteckige Öffnungen mit halbrunden Abschlüssen, gerahmt von Stuckeinfassungen in Pastelltönen zwischen Ocker und Verblassrosa. Diese Proportionierung, Höhe zur Breite etwa drei zu eins, findet sich am dichtesten entlang der Via Palazzo und der angrenzenden Villenviertel. Sie entstammt der Bauphase zwischen 1870 und 1910, als englische und russische Wintergäste den Bau von Pensionen und Villette finanzierten. Die Bauherren importierten nordeuropäische Lichtbedürfnisse in den ligurischen Bestand und schufen damit eine Hybridform, die in Ventimiglia oder Imperia kaum vorkommt.

🌿 Landschaft & Lagebezüge

Der Torrente San Francesco, der die Stadt von Nordwest nach Südost durchschneidet, legte die Achse fest, auf der heute die Küstenstraße und der nachgelagerte Bahndamm verlaufen. Der Flusslauf wurde im 20. Jahrhundert weitgehend überdeckt und kanalisiert, aber die Topographie verrät seinen Verlauf: eine flache Eintiefung, die den westlichen Stadtteil Coldiroli von der Innenzone trennt. Die östlichen Hänge oberhalb von La Pigna liegen im Nachmittagsschatten, da der Hügel das direkte Sonnenlicht nach 15 Uhr abschneidet. Bewohner dieser Schattenlagen heizen deshalb früher als ihre Nachbarn an der Hangpromenade.

🚶 Zugang, Wege & praktische Orientierung

Die Bahnlinie Genua–Ventimiglia verläuft in Sanremo als Hochtrasse entlang der Küste und trennt den Strand vom Stadtkörper effektiver als jede Stadtmauer. Gebaut im späten 19. Jahrhundert, schiebt sie sich auf einem gemauerten Viadukt zwischen Häuserzeilen, die mit Rücken zur See stehen. Südlich davon liegen die Tourismusflächen: Hotels, Promenade, Kasino. Nördlich davon: Supermärkte, Autowerkstätten, das Busbahnhofgelände. Die Unterführungen, die beide Zonen verbinden, sind schmal, schlecht beleuchtet und von Mopeds frequentiert. Wer morgens von der Wohnseite zum Meer will, wartet manchmal an der Schranke des Regionalexpresses aus Genf.

✨ Spezifische lokale Eigenheiten

Der Blumenmarkt im Mercato dei Fiori, ursprünglich 1931 als Großhandelsstruktur eingerichtet, läuft heute in einer modernen Halle nahe dem Ostzugang der Stadt und ist einer der volumenstärksten Schnittblumenmärkte Europas. Die Transaktion ist vollständig auf Einheimische und Branchenkäufer beschränkt: Floristen aus der ganzen Region, Großhändler aus Frankreich und Deutschland erscheinen vor Tagesanbruch. Die Freesia-Züchter aus den Serrenanlagen der umliegenden Hügel bringen ihre Ware in gebündelten Packungen von hundert Stielen. Gegen sechs Uhr morgens ist der Verkauf meist abgeschlossen. Der Geruch nach Rosen, Nelken und feuchter Erde hängt bis neun in der Luft.