Die Einkaufstasche eines Sansepolcro-Bewohners sieht abends so aus: Brot vom Bäcker in der Altstadt, Käse vom Feinkostladen, vielleicht ein paar Schrauben vom Eisenwarenhändler an der Ecke. Kleidung einer bekannten Marke? Die liegt nicht drin – die holt man sich in Arezzo oder Perugia. Wer morgens aus dem Haus geht, läuft zu Fuß. Die Stadt ist klein genug, dass Einkaufen kein Projekt ist, sondern ein Weg, der sich nebenbei erledigt.
Einkaufsstraßen
Die Via Matteotti ist die Ader der Stadt. Zwischen neun und zwölf Uhr öffnen hier die kleinen Läden, die Rollläden gehen hoch, jemand wischt den Bürgersteig. Rentner grüßen sich vor der Bar, Mütter schieben Kinderwagen an Schaufenstern vorbei, die Schuhe und Haushaltswaren zeigen. Die Straße ist nicht breit, nicht laut, nicht belebt wie eine Großstadt-Flaniermeile – aber hier kauft Sansepolcro ein, weil hier die Händler sind, die man seit zwanzig Jahren kennt.
Luxus & Designer
Wer ein Hemd von einem Namen will, den man kennt, fährt nach Arezzo. Das sind knapp dreißig Kilometer, eine halbe Stunde auf der Landstraße durch das Tiber-Tal. In Arezzo gibt es die Geschäfte, die Sansepolcro nicht hat und nie hatte: Filialen, Markenschuhe, Juweliere mit Auslage. Einheimische planen diese Fahrten – kein Spontaneinkauf, sondern ein halber Tag in der Stadt, mit Mittagessen. Wer Geduld mitbringt und früh losfährt, findet dort alles, was er sucht.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem historischen Zentrum, abseits der Via Matteotti, gibt es Läden, an denen Besucher einfach vorbeigehen. Ein kleiner Metzger, dessen Schaufenster nichts Einladendes zeigt – aber dessen Stammkunden seit Jahren nirgendwo anders kaufen. Eine Eisenwarenhandlung in einem Erdgeschoss, das aussieht wie eine Abstellkammer, aber alles führt. Diese Läden werben nicht. Wer sie kennt, kennt sie durch Nachbarn oder Eltern. Wer neu in die Stadt zieht, braucht ein paar Monate, bis er weiß, wo sie sind.
Märkte & Spezialitäten
Dienstags findet in Sansepolcro ein Wochenmarkt statt. Die Stände stehen auf einem Platz am Rand der Altstadt, die Händler kommen aus der Region. Gemüse, Oliven, Käse, Arbeitskleidung, Haushaltswaren – der Markt ist kein Touristenereignis, sondern Alltagsgeschäft. Ältere Frauen kommen mit Trolleys, kennen die Händler beim Namen, verhandeln nicht, weil der Preis stimmt. Wer frisches Obst außerhalb des Markttages braucht, kauft beim Gemüsehändler in der Stadt oder – wenn er einen kennt – direkt beim Bauer aus der Umgebung.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Arezzo oder in ein Gewerbegebiet an der Schnellstraße zwischen Sansepolcro und der Vallesina-Richtung. Die großen Elektromärkte und Möbelhäuser stehen nicht in der Stadt selbst. Eine solche Fahrt plant man – sie lohnt sich, wenn man weiß, was man will, und nicht, wenn man noch überlegt. Sportschuhe einer großen Marke gibt es in Sansepolcro nicht zu kaufen; wer nicht nach Arezzo will, bestellt online und lässt das Paket zur Tabaccheria liefern.
Besonderheiten
In der Region um Sansepolcro wächst weißer Trüffel, und wer zur richtigen Jahreszeit kommt, kauft ihn direkt – nicht im Laden, sondern beim Händler, der ihn selbst sucht oder von den Suchern kauft. Dazu kommt der Tabacco Toscano, der grobe toskanische Zigarrentabak, der hier noch in kleinen Mengen angebaut wird. Und dann ist Sansepolcro die Heimat von Piero della Francesca – in den Museumsläden kaufen Einheimische zu Weihnachten Drucke und Bücher, die sie Gästen schenken, stolz und ohne Erklärung.