Die Einkaufstasche am Abend erzählt viel. Brot kommt vom Bäcker im Ortszentrum, Gemüse vom Markt oder direkt vom Händler auf der Piazza. Wer ein neues Paar Schuhe sucht, bleibt meistens in der Stadt – das ist kein Zufall, sondern Erbe: Hier produzieren sie Schuhe seit Generationen. Was man vergeblich sucht? Ein großes Kaufhaus gibt es nicht. Wer einen Kühlschrank oder Markenkleidung will, fährt in die Küstenstadt runter. Der Alltag spielt sich auf wenigen Hundert Metern ab.
Einkaufsstraßen
Die Hauptstraße durch die Altstadt, der Corso Baccio da Montelpidio, ist die Ader des täglichen Lebens. Zwischen neun und zwölf Uhr riecht es nach frischem Espresso aus der Bar an der Ecke, ältere Frauen tragen Stofftaschen, Männer stehen vor dem Tabacchi und reden. Die Geschäfte sind klein, die Schaufenster aufgeräumt. Wer hier langsam geht, kauft etwas. Wer schnell geht, grüßt trotzdem drei Bekannte. Die Straße ist nicht breit, aber sie arbeitet.
Luxus & Designer
Wer ein Hemd einer bekannten Modemarke oder Designerschuhe sucht, fährt nach Porto San Giorgio oder Civitanova Marche – beides liegt keine zwanzig Minuten entfernt. Civitanova hat die größere Auswahl: Markenshops, Boutiquen, eine Fußgängerzone mit ernstzunehmenden Namen. Porto San Giorgio ist kleiner, aber die Läden dort kennen ihre Kundschaft. Wer aus der Hügelstadt kommt, merkt den Unterschied sofort – unten am Meer kaufen sie Mode, oben kaufen sie Schuhe.
Viertel & Boutiquen
Hinter der Hauptstraße, in den ruhigeren Gassen der Altstadt, liegt ein kleiner Lebensmittelladen, den kein Wegweiser empfiehlt. Die Einheimischen wissen ihn. Dort liegt guter lokaler Käse, eingemachte Oliven, Öl aus der Region. Der Besitzer kennt seine Kunden beim Vornamen. Wer neu in die Stadt zieht, findet diesen Laden erst nach Monaten – meistens, weil ihn jemand mitgenommen hat. Besucher laufen daran vorbei. Das Schild ist klein, das Angebot unscheinbar, der Inhalt gut.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs findet auf einem der Plätze im Ort ein Wochenmarkt statt. Gemüsehändler aus dem Umland bauen Stände auf, daneben Kleidung, Haushaltswaren, etwas Kurzwaren. Die älteren Frauen kommen früh, die besten Tomaten sind um zehn Uhr weg. Wer verschläft, kauft den Rest beim Gemüsehändler im Ort – der hat täglich geöffnet und kennt seine Stammkunden. Frisches Obst außerhalb des Markttages bekommt man dort ohne Umweg. Man muss nur wissen, wo der Laden liegt.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine braucht, fährt nach Civitanova Marche oder Porto Sant'Elpidio an der Küste. Dort gibt es Elektronikmärkte und größere Geschäfte mit dem, was im Hügelort fehlt. Sportschuhe in guter Auswahl findet man ebenfalls unten – oder, was viele vergessen, direkt bei einem der lokalen Schuhhersteller, die Werksverkauf anbieten. Die Fahrt dauert weniger als eine halbe Stunde. Man plant sie am Samstag ein, verbindet sie mit einem Mittagessen am Meer und kommt mit vollem Auto zurück.
Besonderheiten
Sant'Elpidio a Mare ist Schuhstadt. Das meint man wörtlich. Kleine und mittlere Schuhproduzenten haben hier ihre Werkstätten, manche verkaufen direkt ab Werk. Wer weiß, wen er fragen muss, bekommt Schuhe in einer Qualität, die in keinem Kaufhaus hängt – handgefertigt, aus gutem Leder, zu einem Preis, der im Vergleich fair ist. Einheimische kaufen so zur Hochzeit, zur Kommunion, zum besonderen Anlass. Kein Schild, keine Werbung. Man wird empfohlen, oder man kommt nicht rein.