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Die Einkaufstasche abends in Santa Marinella: frisches Brot vom Forno im Ortskern, ein paar Tomaten vom Stand an der Küstenstraße, Zeitschriften vom Tabacchi an der Ecke. Wer Käse sucht, kennt seinen Salumiere. Wer ein neues Handy braucht, fährt. Das ist der Pakt, den alle hier stillschweigend geschlossen haben: das Frische bleibt im Ort, das Technische geht nach Civitavecchia. Vergeblich sucht man hier einen Elektronikmarkt, eine Apothekenkette mit großem Kosmetikregal oder einen Sportartikelladen mit Auswahl.
Einkaufsstraßen
Die Via Aurora ist die Straße, auf der Santa Marinella wirklich einkauft. Kein Glamour, keine Touristenfalle – aber zwischen neun und zwölf Uhr passiert hier alles. Der Salumiere zieht seine Aufschnittmaschine durch die erste Runde, die Bar füllt sich mit Leuten, die stehen statt sitzen. Ältere Frauen mit Trolleys, Männer mit Cornetto in der Hand, ein Lieferwagen, der die halbe Straße blockiert. Niemand hupt. Man wartet, man redet, man kauft nebenbei.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd will oder Schuhe mit einem Namen auf der Zunge, der packt das Auto und fährt nach Roma Nord – rund fünfzig Kilometer, aber die Autostrada macht es erträglich. Civitavecchia hat ein paar Geschäfte, aber die Auswahl enttäuscht. Rom hingegen hat die Via del Corso, hat Geschäfte in Prati, hat alles. Die meisten fahren samstags, kombinieren den Einkauf mit einem Mittagessen und kommen abends mit Tüten zurück. Zuhause kauft man das nicht – zuhause kauft man lieber gar nichts als das Falsche.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Bahnhof, dort wo die Straßen enger und die Fassaden stiller werden, liegt ein kleines Netz aus Gassen, das Besucher nie finden – weil sie keinen Grund dorthin haben. Hier sitzt der Handwerker, der Schuhe flickt und keine Website braucht. Hier kauft man Schrauben und Gartenfolie in einem Laden, der auch Futtermittel verkauft. Wer hierher kommt, nickt dem Inhaber zu, nennt keinen Produktnamen – man beschreibt einfach das Problem, und der Mann hinter der Theke löst es.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs steht der Wochenmarkt in Santa Marinella – keine große Angelegenheit, aber eine verlässliche. Ein Dutzend Stände, Gemüse aus dem Umland, ein Textilstand mit Bettwäsche und Socken, ein Stand mit Haushaltsware. Die Nonnas kommen früh, die Tomaten sind um elf weg. Wer den Markt verpasst, fährt zu einem der kleinen Gemüsehändler am Ortsrand – dort liegen Zucchini und Auberginen in Holzkisten vor der Tür, und der Preis wird manchmal nicht ausgesprochen, sondern nur gedacht.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Civitavecchia. Dreißig Minuten mit dem Auto, und dort gibt es die bekannten Elektroketten mit ausreichend Auswahl und Personal, das Fragen beantwortet. Sportschuhe mit echter Auswahl: dasselbe. Manche fahren auch weiter nach Fiumicino oder gleich nach Rom, wenn der Kauf sich lohnen soll. Die Fahrt rechnet sich ab einem bestimmten Betrag – ein Mixer nicht, eine Waschmaschine schon. Santa Marinella hat kleine Haushaltswarenläden, aber kein Haus, in dem man sechs Modelle nebeneinanderstellt.
Besonderheiten
Das Meer ist hier keine Kulisse – es ist ein Lieferant. Wer frühmorgens zum Hafen geht, wenn die Boote zurückkommen, kauft Fisch direkt vom Fischer. Kein Preisschild, kein Styropor, kein gekühltes Regal. Man kennt die Gesichter, man weiß welches Boot gut fangt. Der Branzino, den man hier kauft, hat heute Nacht noch im Tyrrhenischen Meer geschwommen. Das bekommt man in Civitavecchia auch – aber nicht mit diesem Morgen dahinter, nicht mit diesem Salzgeruch noch in der Luft.