Die Einkaufstasche eines Santena-Bewohners sieht abends meist so aus: Brot vom Bäcker in der Ortsmitte, ein paar Tomaten vom Stand am Rand der Hauptstraße, vielleicht Aufschnitt aus der Salumeria ums Eck. Was fehlt: ein neues Paar Schuhe, ein Markenpullover, ein Elektrogerät. Das kauft hier niemand vor Ort – dafür fährt man. Santena ist kein Shoppingziel, sondern ein Einkaufsalltag im Kleinen. Wer morgens einen Cappuccino in der Bar trinkt, erledigt dabei meistens gleich drei Dinge auf einmal.
Einkaufsstraßen
Die Via Carlo Alberto ist die Straße, auf der sich das Wesentliche abspielt. Keine Flaniermeile, keine Schaufenster mit Scheinwerfern – aber zwischen neun und zwölf Uhr stehen dort die Leute vor der Bäckerei, grüßen sich vor dem Tabacchi, kaufen schnell ein beim kleinen Lebensmittelladen. Ein Lieferwagen blockiert kurz die Fahrspur, niemand hupt. Die Alte mit dem Rollator kennt den Kassierer beim Namen, der Kassierer kennt ihre Bestellung auswendig. Das ist die Stunde, in der Santena am lautesten ist.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Lederschuhe einer bekannten Marke will, fährt nach Turin. Die Strecke dauert keine halbe Stunde mit dem Auto. Dort gibt es die Via Roma und die Gegend um die Piazza San Carlo – Läden, die Santena schlicht nicht bieten kann und nie wollte. Manche fahren auch nach Chieri, das näher liegt und kleinere Boutiquen hat. Aber wer wirklich Auswahl will, wählt Turin. Der Ausflug dorthin ist kein Umweg – er ist der Plan.
Viertel & Boutiquen
Besucher laufen durch die Mitte und sehen nichts Besonderes. Einheimische wissen, dass man für gutes Fleisch nicht in den erstbesten Laden geht – sondern zur Macelleria, die etwas abseits liegt und keine große Aufschrift braucht, weil ihre Kundschaft sie seit Jahren kennt. Man erkennt sie am Plastikvorhang in der Tür und den drei Leuten, die immer davorstehen. Dort kauft man nicht schnell – man wartet, man redet, man bekommt manchmal ein Stück zugeschnitten, das nicht auf der Karte steht.
Märkte & Spezialitäten
In Santena gibt es einen Wochenmarkt – er findet dienstags statt und spielt sich auf einem Platz in der Ortsmitte ab. Gemüsehändler aus der Region stellen ihre Kisten auf: Zucchini, Paprika, Auberginen, je nach Jahreszeit. Daneben Kleidungsstände mit Arbeitshosen und Unterwäsche, ein Händler mit Haushaltswaren. Wer früh kommt, bekommt das beste Gemüse. Wer um elf kommt, bekommt Rabatt. Rentner sind früh da. Familien mit Kindern kommen später. Der Markt ist klein, aber er ist der Treffpunkt des Dienstags.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank fährt man nach Moncalieri oder direkt auf die Tangenziale Richtung Turin, wo die großen Elektromärkte stehen – Euronics, Unieuro, je nach Richtung. Wer Sportschuhe einer großen Kette will, findet sie dort ebenfalls. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will, und nicht drei Stunden vergleichen möchte. Wer samstags fährt, plant mehr Zeit ein – die Parkplätze vor den Märkten füllen sich schnell, und an der Kasse stehen nicht nur Leute aus Santena.
Besonderheiten
Santena ist der Ort des Spargels – das ist kein Marketingslogan, das ist Realität. Jeden Frühling verkaufen Bauern aus der Umgebung ihren Spargel direkt ab Hof oder auf dem Markt, und die Qualität ist anders als im Supermarkt, weil er gestern noch im Boden steckte. Es gibt sogar ein Festival dafür. Einheimische kaufen dann kiloweise, kochen ihn noch am selben Abend und bringen ihn Verwandten mit. Wer im Mai nach Santena kommt und keinen Spargel kauft, hat etwas grundlegend falsch gemacht.