Wer morgens in Sassari unterwegs ist, trägt abends Brot, Käse und vielleicht ein Paar Socken nach Hause – aber keinen Fernseher und keine Designertasche. Die Stadt versorgt sich selbst gut im Kleinen: Lebensmittel, Alltagskleidung, Haushaltskram. Was fehlt, sind große Markennamen und spezialisierte Elektronikläden. Wer mehr will, fährt. Das ist kein Makel – es ist einfach so. Die meisten Sassaresi haben das verinnerlicht: Joghurt kauft man hier, den neuen Laptop kauft man woanders.
Einkaufsstraßen
Der Corso Vittorio Emanuele II ist die Ader, an der Sassari wirklich lebt. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Rentner, Mütter mit Kinderwagen und Schüler aneinander vorbei. Die Läden hier sind nicht glamourös – Schreibwaren, Kleidung in mittlerer Preislage, Bars mit Theke und schnellem Espresso. Der Gehsteig ist schmal, die Hausfassaden alt, der Lärm gedämpft. Kein Tourist macht hier ein Foto. Aber wer eine neue Hose oder einen Wintermantel sucht, findet auf diesem Corso garantiert drei Optionen innerhalb von zweihundert Metern.
Luxus & Designer
Wer in Sassari ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Tod's sucht, sucht vergeblich. Die Antwort der meisten Einheimischen lautet: Cagliari. Die Fahrt dauert rund zwei Stunden – mit dem Auto über die SS131, der direktesten Route durch das sardische Inland. In Cagliari gibt es das Via Roma-Quartier und das centro storico mit mehreren Boutiquen und Markenfilialen, die es in Sassari schlicht nicht gibt. Manche fahren nur zweimal im Jahr hin, dann aber gezielt – Geburtstag, Hochzeit, wichtiger Termin. Es ist ein Ausflug, kein spontaner Einkauf.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Palazzo Ducale, in den engeren Gassen der Altstadt, gibt es kleine Läden, die kein Schild brauchen, weil die Stammkunden sie seit Jahren kennen. Ein Eisenwarenhändler, der noch Ersatzteile für alte Schlösser hat. Eine Schneiderin, bei der man klingelt. Ein Laden für Haushaltswaren, dessen Auslage seit 1990 unverändert wirkt. Besucher laufen an diesen Türen vorbei, weil sie nichts ankündigen. Einheimische gehen rein, weil sie wissen, was dahinter ist. Das ist die eigentliche Nahversorgung der Altstadt – still, verlässlich, unsichtbar für alle anderen.
Märkte & Spezialitäten
Jeden Dienstag und Freitag baut sich der Mercato Civico an der Piazza Tola auf – ein überdachter und angrenzend offener Markt, bei dem sardische Bauern und Händler Gemüse, Käse, Oliven und manchmal Fleisch verkaufen. Wer um acht Uhr kommt, bekommt die besten Tomaten. Wer um elf kommt, nimmt was übrig ist. Die Verkäufer kennen ihre Stammkunden mit Namen. Es wird verhandelt, aber nicht laut – eher ein leises Einvernehmen zwischen zwei Leuten, die sich schon hundert Mal begegnet sind.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Laufschuhe fährt man zum Einkaufszentrum Le Vele, nördlich des Stadtzentrums Richtung Peripherie. Es liegt gut erreichbar mit dem Auto und hat einen Mediamarkt-ähnlichen Elektronikhändler sowie mehrere Sportgeschäfte. Wer aus dem Zentrum kommt, braucht kein Taxi – Busse fahren dorthin, aber mit Umweg. Die meisten nehmen das Auto. Der Ausflug lohnt sich, wenn die Einkaufsliste mehr als drei Punkte hat. Für eine einzelne Glühbirne fährt kein Mensch hin – dafür gibt es den Eisenwarenladen in der Altstadt.
Besonderheiten
Der Fiore Sardo, ein würziger sardischer Schafskäse mit Rauchnote, ist überall auf der Insel zu haben – aber in Sassari kauft man ihn direkt beim Käsehändler auf dem Markt, manchmal noch warm vom Vortag. Wer Pane Carasau will, das dünne, knackige Fladenbrot, findet es in jedem Alimentari – aber die beste Version kommt aus kleinen Bäckereien in den Dörfern rund um Sassari, wo es nur lokal verkauft wird. Einheimische wissen, welcher Verwandte auf dem Land einen Kontakt hat. Besucher kaufen die Supermarktversion und denken, das sei es.