Wer hier fünf Jahre lebt, lernt schnell: Brot holt man morgens beim Bäcker, nicht im Supermarkt, und der kennt deinen Namen nach zwei Wochen. Die Einkaufstasche am Abend ist eine Mischung – Käse vom Feinkosthändler in der Altstadt, Pasta aus dem kleinen Laden um die Ecke, Waschmittel vom Conad. Was man vergeblich sucht? Ein großes Kaufhaus. Wer einen neuen Laptop braucht oder Markensneaker, plant die Fahrt nach Modena ein. Das ist kein Mangel – das ist hier einfach so, und die meisten haben sich daran gewöhnt.
Einkaufsstraßen
Der Corso Cavallotti ist nicht die hübscheste Straße in Sassuolo, aber die lebendigste. Zwischen neun und zwölf Uhr vormittags schieben sich Mütter mit Kinderwagen an Rentnern vorbei, die vor dem Tabacchi stehen und die Zeitung lesen. Die Läden sind schmal, die Auslagen voll. Hier gibt es Schreibwaren, Apotheken, kleine Modegeschäfte mit Schaufenstern, die seit Jahren gleich aussehen. Wer früh kommt, findet noch einen Parkplatz. Wer um elf kommt, stellt das Fahrrad an die Hauswand und geht zu Fuß.
Luxus & Designer
Ein gutes Hemd kauft man in Sassuolo nicht. Das sagen auch die Einheimischen selbst, ohne sich zu beschweren. Wer eine bekannte Marke will – ob Schuhe, Jacke oder Anzug – fährt nach Modena. Dreißig Minuten mit dem Auto, und man steht in der Via Emilia inmitten von Boutiquen, die hier niemand vermisst, solange man sie nicht braucht. Die Galeria Vittorio Emanuele II in Mailand ist weiter, aber wer ernsthaft shoppen will, macht daraus einen Samstagsausflug. Sassuolo schickt seine Leute gerne weg – und die kommen satt zurück.
Viertel & Boutiquen
Rund um die Piazza Garibaldi gibt es Läden, die kein Reiseführer kennt. Ein kleiner Haushaltsladen zum Beispiel, dessen Schaufenster so voll steht, dass man von außen kaum sieht, was drin ist. Dort kaufen die Leute Töpfe, Besenschaften, Küchensiebe – Dinge, die man online bestellen könnte, aber hier kauft, weil der Inhaber weiß, welche Pfanne zu welchem Herd passt. Besucher laufen daran vorbei, weil es nichts zu fotografieren gibt. Einheimische gehen dort rein wie in eine zweite Küche.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags baut sich auf dem Marktplatz der Wochenmarkt auf. Es ist kein großer Markt – ein paar Gemüsestände, ein Mann mit Oliven in Plastikwannen, eine Frau, die selbstgemachten Honig verkauft und dabei wenig redet. Die Tomaten kommen aus der Region, die Preise sind fair, und wer früh da ist, bekommt die besten Zucchini. Wer verschläft, findet noch Zwiebeln. Die meisten Stände sind gegen halb eins abgebaut, und der Platz gehört wieder den Tauben.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank fährt man nach Modena oder zur Eurocomerciale am Stadtrand von Reggio Emilia. Das dauert vierzig Minuten, aber der Parkplatz ist riesig und die Auswahl auch. In Sassuolo selbst gibt es kleine Elektroläden, die Reparaturen machen und Kleingeräte verkaufen – Wasserkocher, Staubsauger, Kaffeemaschinen. Wer einen Fernseher braucht, geht trotzdem lieber in die Fläche. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will, und nicht, wenn man noch überlegt.
Besonderheiten
Sassuolo ist die Keramikhauptstadt Italiens – das weiß jeder hier, und die meisten wissen auch, wo man direkt ab Werk kauft. In den Fabrikverkäufen rund um die Industriezone lagern Fliesen in Qualitäten und Formaten, die im normalen Handel nie auftauchen. Einheimische gehen dorthin, wenn sie eine Küche renovieren oder ein Badezimmer neu gestalten – und bringen Freunde aus Deutschland mit, die dann drei Stunden brauchen, um sich zu entscheiden. Die Preise sind gut, die Auswahl überwältigend, und wer einmal dort war, versteht, warum diese Stadt stolz auf sich ist.