Shopping in Scafati

Die Einkaufstasche am Abend sieht in Scafati meistens so aus: Brot vom Bäcker um die Ecke, Tomaten vom Gemüsehändler auf der Hauptstraße, vielleicht ein Stück Käse vom Feinkostladen, dessen Besitzer jeden Kunden beim Namen kennt. Wer Klamotten braucht, fährt weg – das ist hier keine Ausnahme, das ist der Plan. Ein Kaufhaus sucht man vergeblich. Scafati versorgt sich täglich, frisch, lokal. Was über den Alltag hinausgeht, holt man sich woanders.

Einkaufsstraßen

Der Corso Nazionale ist die Ader, durch die Scafati täglich pumpt. Zwischen neun und zwölf Uhr gehört die Straße den Müttern mit Kinderwagen, den Rentnern vor dem Bar-Eingang und den Lieferanten, die mit Sackkarre durch die Menge manövrieren. Die Gehsteige sind nicht breit, die Läden stehen dicht. Ein Friseur neben einem Schreibwarenhändler neben einem Lotto-Kiosk – das ist kein Zufall, das ist das System. Wer hier morgens flaniert, hat meistens drei Stops im Kopf und macht fünf.

Luxus & Designer

Wer ein ordentliches Hemd oder Schuhe mit echtem Markennamen will, steigt ins Auto. Salerno liegt knapp zwanzig Kilometer entfernt – dort gibt es die Geschäfte, die Scafati nicht hat. Die Via Toledo in Neapel ist weiter, aber manche fahren trotzdem dorthin, wenn der Anlass groß genug ist. Was man in Scafati nicht findet: Flagship-Stores, Boutiquen mit Schaufenstern zum Verweilen, das Gefühl, dass ein Einkauf ein Erlebnis sein soll. In Salerno bekommt man das – und einen Kaffee dazu, der schlechter ist.

Viertel & Boutiquen

In den Seitenstraßen hinter dem Corso Nazionale passiert das, was kein Tourist sucht und jeder Einwohner kennt: Der kleine Haushaltswaren-Laden, dessen Schaufenster seit zwanzig Jahren unverändert aussieht und in dem man trotzdem alles findet. Man kauft dort keine Küchengeräte aus dem Katalog – man schildert dem Besitzer das Problem, und er greift ins Regal. Besucher laufen an solchen Läden vorbei, weil sie keine Schaufensterdekoration haben. Einwohner gehen hinein, weil die Alternative eine Stunde Fahrt wäre.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs und samstags öffnet in Scafati ein Straßenmarkt. Wer früh kommt, findet die besten Tomaten – und in dieser Gegend, zwischen Sarno und dem Vesuv, sind das keine gewöhnlichen Tomaten. Pomodorini aus lokalem Anbau liegen neben Hosen für zwölf Euro und nachgemachten Markenturnschuhen. Die Gemüsestände kommen zuerst weg, die Textilanbieter stehen bis mittags. Wer den Markt verpasst, kauft beim Gemüsehändler auf dem Corso – frisch ist es dort auch, aber der Preis verhandelt sich schlechter.

Einkaufszentren & Outlets

Einen Kühlschrank kauft man nicht in Scafati. Wer Haushaltsgeräte oder Sportausrüstung braucht, fährt in Richtung Pompeji oder weiter nach Salerno, wo die großen Elektronik- und Einrichtungsmärkte an den Ausfallstraßen stehen. Die Fahrt dauert je nach Verkehr zwanzig bis vierzig Minuten – und auf der SS18 kann der Verkehr zäh sein, besonders samstags. Man plant den Ausflug bewusst, oft kombiniert mit anderem. Wer spontan einen neuen Fernseher braucht, lernt dabei die Geduld, die das Leben hier grundsätzlich verlangt.

Besonderheiten

Das Besondere an Scafati wächst auf den Feldern drumherum. Die Region um den Sarno-Fluss gehört zu den ertragreichsten Tomatenanbaugebieten Kampaniens – und wer hier lebt, kauft im Sommer direkt beim Erzeuger. Nicht im Laden, nicht auf dem Markt: Man kennt jemanden, der einen Bauern kennt, und fährt mit Kisten heim. Das Einkochen von Passata ist im August kein Hobby, sondern Pflichtprogramm. Was dabei entsteht, bekommt man in keinem Supermarkt – nicht in Salerno, nicht in Neapel, nicht irgendwo sonst.