Shopping in Scalea

Die Einkaufstasche eines Scaleataner enthält abends meist frisches Brot vom Bäcker im alten Ortskern, ein paar Tomaten vom Gemüsehändler an der Uferpromenade und vielleicht etwas Käse aus einer der kleinen Alimentari. Wer Markenkleidung will oder einen neuen Laptop sucht, fährt nach Cosenza oder Lamezia Terme – das ist hier keine Niederlage, sondern normale Arithmetik. Ketten-Supermärkte gibt es, aber die Rentner gehen trotzdem lieber zum Metzger, den sie seit zwanzig Jahren kennen.

Einkaufsstraßen

Der Corso Mediterraneo ist die Straße, auf der morgens zwischen neun und zwölf tatsächlich etwas passiert. Sie ist nicht glamourös – schmale Gehsteige, parkende Autos, Rollos, die hochgezogen werden. Aber hier öffnet der Zeitungshändler, hier kaufen Frauen mit Einkaufstrolleys ein, hier nimmt der Mann vom Haushaltswarenladen die erste Lieferung des Tages an. Wer zwischen halb zehn und elf hier entlangläuft, läuft zwangsläufig gegen jemanden, den er kennt.

Luxus & Designer

Wer ein Hemd von Gazzarrini oder Schuhe von Tod's sucht, fährt nach Cosenza – knapp achtzig Kilometer, aber auf der Autostrada in etwa einer Stunde erreichbar. Dort gibt es das Centro Commerciale Metropolis und die Geschäfte rund um Corso Mazzini. In Scalea selbst findet man im Sommer durchaus modische Boutiquen, die für die Touristen öffnen – aber die schließen im Oktober wieder. Was bleibt, reicht für den Alltag, nicht für den Anlass.

Viertel & Boutiquen

Im Borgo medievale, dem alten Hügeldorf über der Küstenstadt, kauft kaum ein Tourist ein – weil dort nichts Touristisches verkauft wird. Ein kleiner Alimentari mit handgeschriebenem Schild, ein Frau die samstags Ricotta aus dem Nachbardorf mitbringt, ein Metzger dessen Laden man nur findet, wenn man jemanden fragt. Besucher laufen durch die Gassen für das Foto. Einheimische laufen sie, weil dort der Pecorino billiger und frischer ist als unten am Meer.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs findet in Scalea ein Wochenmarkt statt – er liegt auf einem der freien Plätze nahe der Küstenstraße. Dort stehen Händler aus der Umgebung mit Gemüse, Oliven, Hülsenfrüchten und Haushaltswaren. Ein Mann verkauft Socken aus einem aufgeklappten Lieferwagen. Eine ältere Frau bietet selbstgemachte Tomatensauce in Einmachgläsern an. Wer früh kommt, bekommt die Zucchini, bevor sie in der Sonne weich werden. Wer zu spät kommt, kauft nur noch Plastikwäscheklammern.

Einkaufszentren & Outlets

Für Kühlschrank, Waschmaschine oder neue Sportschuhe fährt man nach Praia a Mare, zwanzig Kilometer nördig – oder direkt nach Cosenza, wenn man eine größere Auswahl will. In Praia gibt es Elektronikmärkte und Schuhketten, die auch werktags geöffnet haben. Die Fahrt lohnt sich, wenn man sowieso mehrere Besorgungen hat. Wer nur einen Toaster braucht, kauft ihn trotzdem manchmal dort – weil die Auswahl in Scalea selbst dünn ist und der Ausflug ein Vorwand für einen Mittagsstopp wird.

Besonderheiten

Die Nduja aus der Region Calabria bekommt man zwar überall in Italien, aber die Version vom Händler im Borgo – streichfähig, scharf, in Schweinedarm gefüllt – kommt von einem Produzenten aus dem Pollino-Hinterland, den der Händler persönlich kennt. Wer fragt, wo der herkommt, bekommt eine Adresse und einen Hinweis, wann der Hof Besucher empfängt. Das ist kein Geheimnis – aber es steht auf keinem Schild. Man muss fragen. Das ist in Scalea meistens so.