Wer in Siena morgens einkaufen geht, hat eine klare Route im Kopf. Brot holt man beim Bäcker in der Altstadt, Gemüse beim kleinen Händler um die Ecke, und die Apotheke kennt jeden beim Namen. Am Abend liegt Pecorino in der Tasche, vielleicht ein Stück Ricciarelli vom Konditor. Was nicht in der Tasche liegt: Elektronik, Markenkleidung, Möbel. Dafür fährt man raus. Siena ist eine Stadt, die weiß, was sie hat – und auch, was sie bewusst anderen überlässt.
Einkaufsstraßen
Die Via di Città und die Banchi di Sopra bilden zusammen das Rückgrat des Handels. Zwischen neun und zwölf Uhr gehört die Banchi di Sopra den Einheimischen: Rentner mit Trolley, Mütter mit Kindern, ein paar Studenten vom Tor Fata. Die Läden sind schmal, die Eingänge tief, die Verkäufer kennen ihre Stammkunden. Wer hier einkauft, bleibt stehen, spricht, hört zu. Die Straße arbeitet nicht laut – sie arbeitet dicht.
Luxus & Designer
Wer ein Hemd von Zara oder Schuhe von Geox sucht, findet in Siena wenig. Die meisten fahren nach Florenz – neunzig Minuten mit dem Bus oder weniger als eine Stunde mit dem Auto auf der Schnellstraße. Dort wartet die Via de' Tornabuoni mit internationalen Marken. Manche fahren auch nach Grosseto, wenn es nur ein gutes Paar Alltagsschuhe sein soll. Siena hat einzelne gute Boutiquen, aber keine Breite. Wer Auswahl will, plant den Ausflug.
Viertel & Boutiquen
Im Viertel rund um den Mercato, hinter dem Palazzo Pubblico, kaufen Einheimische Dinge des Alltags. Dort gibt es einen kleinen Lebensmittelhändler, den Besucher nie finden, weil er kein Schild hat, das nach Tourismus riecht. Wer dort eintritt, hört Sienesisch, kein Englisch. Die Preise stehen nicht draußen. Man kennt sich, man zahlt, man geht. Dieser Teil der Stadt liegt keine zweihundert Meter vom Campo entfernt – und doch in einer anderen Welt.
Märkte & Spezialitäten
Jeden Mittwoch morgen steht der Wochenmarkt an der Viale Cavour außerhalb der alten Stadtmauer. Die Stände öffnen früh, die besten Tomaten sind um zehn schon weg. Ältere Frauen aus den umliegenden Hügeldörfern verkaufen Kräuter, die keinen deutschen Namen haben. Zwischen den Gemüsekisten stehen Tische mit Haushaltswaren, Stoffen, billigen Schuhen. Einheimische kommen mit dem Rad, mit dem Trolley, mit Zeit. Wer erst um elf kommt, nimmt, was übrig ist.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man nach Poggibonsi oder ins Gewerbegebiet Richtung Arezzo. Dort stehen die großen Elektronikmärkte und Möbelketten, die man aus Deutschland kennt. Die Fahrt dauert dreißig bis vierzig Minuten. Die meisten machen das einmal im Jahr – oder wenn etwas kaputt geht. Wer Turnschuhe sucht, findet in Siena zwei, drei Läden mit kleinem Angebot. Wer Auswahl, Rückgaberecht und Lagerware will, plant den Ausflug am Wochenende ein.
Besonderheiten
Ricciarelli kauft man in Siena, nicht anderswo. Diese weichen Mandelkekse, mit Puderzucker bestäubt, gibt es in jeder ernsthaften Konditorei der Altstadt – aber die Qualität variiert stark. Einheimische kennen ihre Adresse und gehen nur dorthin. Genauso der Panforte: schwer, dunkel, mit Gewürzen, die nach Weihnachten riechen, auch im Juli. Wer zum Palio kommt, bringt beides mit nach Hause. Wer hier lebt, kauft es zu Weihnachten kiloweise – als Geschenk für alle, die noch nie in Siena waren.