Wer in Silvi lebt, kauft Brot und Käse im Ort – aber für neue Schuhe fährt er nach Pescara. Die Einkaufstasche am Abend enthält Gemüse vom Händler an der Hauptstraße, vielleicht eine Flasche Montepulciano d'Abruzzo aus dem kleinen Weinladen am Hang. Was man hier vergeblich sucht: ein Kaufhaus, eine Modekette, einen Elektronikhändler. Silvi Marina und Silvi Alta funktionieren unterschiedlich – unten kauft man schnell ein, oben kauft man langsamer, weil die Leute mehr reden als bezahlen.
Einkaufsstraßen
Die Strada Statale 16 – die Adriaküste entlang – ist keine schöne Straße, aber die eigentliche Einkaufsachse von Silvi Marina. Zwischen neun und zwölf Uhr parken die Autos halb auf dem Gehweg, eine Frau trägt Wasser aus dem Supermarkt, zwei Männer stehen vor der Bar und schauen auf das Meer, als hätten sie Zeit. Die Läden dort sind klein, die Auslagen schlicht. Wer einen bestimmten Käse will, geht in den Laden, fragt – und bekommt ihn aus dem Hinterzimmer.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd braucht, fährt nach Pescara – rund dreißig Kilometer südlich, eine halbe Stunde auf der Küstenstraße. Dort gibt es die bekannten Ketten und auch kleinere Herrenausstatter, die noch Ware in der Hand halten, bevor sie sie verkaufen. In Silvi selbst findet man im Sommer Strandmode und leichte Sommerkleider – aber keinen Laden, der im Oktober noch offen hat und einen Wintermantel vorrätig führt. Die meisten Einheimischen fahren nach Pescara nicht ungern: Man kauft ein und geht danach essen.
Viertel & Boutiquen
Silvi Alta, das alte Dorf auf dem Hügel, hat einen kleinen Laden, den Besucher meist übersehen – weil sie unten am Strand bleiben. Wer hinaufgeht, findet eine Bar-Tabacchi, in der der Besitzer morgens Cornetti verkauft, mittags Zeitungen, nachmittags Briefmarken. Nebenan ein Metzger, dessen Fenster man von der Straße aus kaum sieht. Einheimische aus dem Alta kaufen dort Fleisch, das sie beim Namen nennen: "Ein halbes Kilo vom Letzten wie immer." Touristen laufen daran vorbei, weil kein Schild auf sie wartet.
Märkte & Spezialitäten
In Silvi Marina gibt es einen Wochenmarkt – er findet morgens statt, die genauen Tage wechseln je nach Saison. Im Sommer ist er größer, mit Textilien und Haushaltsware. Im Oktober stehen drei Händler mit Gemüse, einer mit Oliven, einer mit Schuhen, die niemand kauft. Was zieht: Tomaten aus der Region, Paprika, Auberginen – Sachen, die noch nach Feld riechen. Wer im Winter frisches Gemüse will und den Markt verpasst, fährt zum kleinen Lebensmittelladen und fragt, was heute morgen geliefert wurde.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Pescara oder nach Pineto – Pineto liegt näher, etwa zehn Kilometer nördlich, und hat an der Ausfallstraße einige größere Läden für Elektrogeräte und Haushaltsware. Für Sportschuhe einer bekannten Marke reicht Pineto manchmal, aber die Auswahl ist überschaubar. Wer Größe 46 hat oder ein bestimmtes Modell will, fährt lieber gleich nach Pescara. Der Unterschied: In Pescara findet man immer, was man sucht. In Pineto findet man manchmal etwas Besseres, das man nicht gesucht hat.
Besonderheiten
Die Abruzzen-Küste produziert Olivenöl, das man in Silvi direkt kaufen kann – nicht im Supermarkt, sondern bei einem der wenigen Produzenten, die noch selbst pressen. Eine kleine Ölmühle im Hinterland, keine fünfzehn Minuten vom Strand, verkauft im November frisch gepresstes Öl in Kanistern. Wer einmal dort war, bringt beim nächsten Besuch seinen eigenen Behälter mit. Auch der lokale Wein – Montepulciano, Trebbiano – kommt aus Lagen, die man von Silvi Alta aus sehen kann. Den kauft man nicht im Regal, sondern beim Winzer.