Die Einkaufstasche am Abend in Solofra? Brot vom Bäcker im Ort, Milch vielleicht aus einem der kleinen Alimentari, die man kennt, seit man Kind ist. Für alles, was darüber hinausgeht – Kleidung, Elektronik, größere Besorgungen – fahren die meisten nach Avellino. Das ist keine Niederlage, das ist der stille Pakt, den man hier früh lernt. Wer Lederwaren sucht, bleibt allerdings im Ort. Solofra ist Lederstadt, und das merkt man sofort – nicht auf den ersten Blick, aber beim zweiten.
Einkaufsstraßen
Die Hauptstraße durch den Ortskern – die, auf der die Busse hupen und die Postautos kaum vorbeikommen – ist zwischen neun und zwölf Uhr das eigentliche Zentrum. Ältere Männer stehen vor dem Bar-Eingang, Frauen mit Taschen schieben sich an geparkten Motorrädern vorbei. Die Läden hier sind klein: ein Schreibwarenhändler, ein Friseur, ein Geschäft, das mal Kurzwaren verkauft und mal auch irgendwie alles andere. Wer in Solofra aufgewachsen ist, grüßt auf dieser Straße jeden zweiten.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Schuhe von einem bekannten Namen möchte, fährt nach Avellino – eine halbe Stunde mit dem Auto, manchmal mehr, wenn auf der Schnellstraße etwas los ist. Dort gibt es Filialen und Boutiquen, die man in Solofra nicht findet. Manche fahren auch nach Salerno, besonders wenn sie einen ganzen Tag einplanen und die Auswahl größer sein soll. Solofra macht dabei keinen Hehl daraus: Hier kauft man Qualität, die hier hergestellt wird – nicht, was anderswo entworfen wurde.
Viertel & Boutiquen
Abseits der Hauptstraße gibt es Gassen, in denen die Lederwerkstätten direkt ans Wohnhaus grenzen. Kein Schild, kein Ladenlokal, manchmal nur eine offene Tür und der Geruch nach gegerbtem Leder. Hier kaufen Einheimische direkt beim Meister – eine Tasche, einen Gürtel, manchmal etwas Maßgefertigtes. Touristen laufen daran vorbei, weil es nichts zu sehen gibt, das nach Laden aussieht. Man muss wissen, bei wem man klingelt. Das wissen hier viele – und sie sagen es weiter, aber nur an Leute, die sie kennen.
Märkte & Spezialitäten
Einen großen Wochenmarkt wie in Avellino gibt es in Solofra nicht auf die gleiche Weise. Was es gibt: einen kleineren Markt, der je nach Wochentag auf einem der Plätze im Ort aufgebaut wird – ein paar Stände mit Gemüse, Obst, manchmal Kleidung. Wer gutes Gemüse will und weiß, wie der Ort funktioniert, fragt lieber bei den Bauern, deren Felder am Hang über der Stadt liegen. Ein Nachbar bringt manchmal Tomaten mit. So läuft das hier.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank fährt man nach Avellino oder auf einen der Handelsflächen an der Ausfallstraße Richtung Napoli – dort stehen die bekannten Elektroketten nebeneinander, Parkplatz groß genug, Auswahl ausreichend. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will. Spontan hinfahren und schauen bringt in Solofra selbst wenig – der Ort hat keinen Elektromarkt, der das leisten könnte. Manche bestellen auch online und lassen liefern. Das hat sich in den letzten Jahren auch hier verändert, spürbar.
Besonderheiten
Leder aus Solofra ist nicht Leder wie überall. Die Stadt gerbt seit Jahrhunderten, und das zeigt sich: Taschen, Jacken, Gürtel, die hier direkt aus den Werkstätten kommen, haben eine Qualität, die man in keinem Kaufhaus findet. Einige Hersteller verkaufen noch ab Werk – kein Glanz, kein Marketing, nur das Produkt. Wer heiratet, wer ein besonderes Geschenk sucht, wer etwas haben will, das hält – der kommt hierher. Auch Leute aus Neapel fahren manchmal herauf, weil sie wissen, was hier zu holen ist.