Shopping in Sondrio

Wer morgens in Sondrio unterwegs ist, trägt abends Käse, Wein und frisches Brot nach Hause – alles aus kleinen Läden in der Innenstadt. Den täglichen Bedarf deckt man hier noch wirklich lokal: Metzger, Bäcker, Feinkost. Kleidung mittlerer Qualität kaufen die meisten in der Corso-Meile, aber wer eine bekannte Marke sucht, fährt nach Mailand. Das sagen die Leute hier ganz offen: für Käse bleibe ich, für Schuhe fahre ich.

Einkaufsstraßen

Der Corso Italia ist die Ader der Stadt. Zwischen neun und zwölf Uhr füllt er sich langsam: Frauen mit Rollwagen, Männer vor dem Zeitungskiosk, Schüler auf dem Weg zum Bar-Tresen. Die Gehsteige sind schmal genug, dass man einander grüßen muss. Hier sitzen Modegeschäfte neben Optikern neben Haushaltswarenläden. Kein Laden ist besonders groß. Wer an einem Dienstagvormittag durch den Corso geht, versteht sofort: Sondrio kauft immer noch von Angesicht zu Angesicht.

Luxus & Designer

Wer ein Hemd von Brioni oder Schuhe von Tod's will, fährt nach Mailand. Die Strecke über die Autostrada dauert rund zwei Stunden – machbar, aber man plant den Tag dafür. Mailands Via Montenapoleone und die Galleria Vittorio Emanuele II bieten alles, was Sondrio nicht hat. Die Einheimischen machen daraus keine Klage, sondern einen Ausflug: Morgenzug, Mittagessen in der Stadt, Nachmittagszug zurück. Der Einkaufsbeutel ist dann oft schwerer als geplant.

Viertel & Boutiquen

Hinter dem Corso, in den ruhigeren Gassen Richtung Stadtrand, kaufen Einheimische ihren Wein direkt beim Händler – nicht im Supermarkt, sondern in kleinen Enoteche, die von außen kaum als Läden erkennbar sind. Eine Holztür, kein Schaufenster, drinnen Regale bis zur Decke. Wer nicht schon einmal dringewesen ist, geht daran vorbei. Diese Läden haben keine Öffnungszeiten im modernen Sinn – man klopft, man kennt sich, man kauft.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs und samstags baut sich auf der Piazza Garibaldi der Wochenmarkt auf. Gemüse aus dem Veltlin liegt dort neben Käsetheken und ein paar Textilständen. Die Bäuerinnen aus den Hängen oberhalb der Stadt kommen früh – wer um zehn Uhr kommt, findet noch Auswahl, wer um zwölf kommt, findet zusammengeklappte Tische. Einheimische gehen samstags zum Markt wie andere Leute zum Supermarkt: mit einer Liste, aber ohne Eile, und meistens mit mehr im Arm als geplant.

Einkaufszentren & Outlets

Für Kühlschränke, Fernseher oder Sportschuhe fährt man nach Lecco oder direkt nach Mailand. In Lecco gibt es Fachmärkte mit normalen Parkplätzen und vergleichbaren Preisen – die Fahrt dauert etwa eine Stunde. In Sondrio selbst gibt es einige Elektrogeschäfte, aber wer Modelle vergleichen will oder eine große Auswahl braucht, weiß: der Weg lohnt sich. Meistens verbindet man das mit anderen Erledigungen, lädt den Kofferraum voll und fährt satt zurück.

Besonderheiten

Der Veltliner Wein ist hier nicht Souvenirware – er ist Alltag. In den kleinen Enoteche und direkt bei den Winzern in den Hanglagen oberhalb der Stadt kauft man Sassella, Grumello oder Inferno in Jahrgängen, die man in deutschen Weinhandlungen nie zu Gesicht bekommt. Und dann ist da der Bitto: ein Hartkäse, der in den Bergkäsereien des Malenco-Tals reift, manchmal jahrelang. Wer ihn frisch vom Produzenten kauft, in einem Stück, eingewickelt in Papier – der versteht, warum die Leute hier nicht nach Mailand fahren, um Käse zu kaufen.