Morgens um acht steht die halbe Nachbarschaft beim Bäcker. Das Brot kommt frisch, die Schlange ist kurz, und das Gespräch dauert länger als der Kauf. Wer Kleidung braucht, fährt nach Sassari – das weiß hier jedes Kind. Die Einkaufstasche abends enthält Brot, Käse vom kleinen Laden an der Hauptstraße, vielleicht eine Flasche Cannonau vom Erzeuger nebenan. Was man vergeblich sucht: ein Kaufhaus, eine Apothekenkette, einen Elektronikladen. Den gibt es nicht, und niemand vermisst ihn wirklich.
Einkaufsstraßen
Die Hauptstraße durch die Ortsmitte ist die Achse, auf der sich alles entscheidet. Sie ist nicht breit, nicht beleuchtet wie eine Einkaufspassage, aber zwischen neun und zwölf Uhr passiert hier das Wesentliche. Die Frauen mit den Markttaschen laufen langsam. Die Männer stehen vor der Bar. Der Lieferwagen des Metzgers blockiert kurz die Fahrspur, keiner hupt. Wer einen Notizblock, Waschmittel oder ein Netz Zwiebeln braucht, findet das hier – in Läden, deren Schaufenster seit Jahren gleich aussehen.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd will, fährt nach Sassari. Fünfzehn Minuten mit dem Auto, und man ist in einer anderen Welt. Sassari hat die Fußgängerzone, die Markenfilialen, die Schuhgeschäfte mit Auslage. Sorso hat das nicht – und macht keinen Hehl daraus. Einige fahren auch nach Alghero, das ist etwas weiter, aber die Auswahl dort ist breiter. Was man hier nicht bekommt: Labels, Saisonkollektionen, Umkleidekabinen mit Spiegel auf drei Seiten. Was man bekommt: einen guten Rat vom Händler, der einen schon seit Jahren kennt.
Viertel & Boutiquen
Im älteren Teil des Ortes, wo die Gassen enger werden und die Häuser niedrig bleiben, gibt es einen Mann, der Olivenöl verkauft. Kein Schild, keine Öffnungszeiten im eigentlichen Sinne – man klopft, man kennt ihn, man nimmt eine Kanne mit. Besucher laufen daran vorbei, weil nichts auf einen Laden hindeutet. Einheimische wissen, dass hier das bessere Öl ist, nicht das im Supermarkt. Diese Art Laden existiert in Sorso mehrfach – für Wein, für Käse, für Honig. Man muss jemanden kennen, der einen schickt.
Märkte & Spezialitäten
Einmal pro Woche kommt ein Markt. Wer früh da ist, findet frisches Gemüse von Erzeugern aus der Umgebung – Tomaten, Artischocken je nach Saison, Zwiebeln, die nach Erde riechen. Dazu ein paar Stände mit Haushaltswaren, Socken, billigem Besteck. Der Markt ist klein, aber er lebt. Die Rentnerinnen kommen nicht, weil es billiger wäre, sondern weil man sich trifft. Wer unter der Woche Gemüse braucht, kauft es im Alimentari – oder fährt zu einem der Betriebe außerhalb, wo man direkt am Hof kaufen kann.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Sassari. Dort gibt es die großen Elektrofachmärkte, die man aus Deutschland kennt – Parkplatz, Rolltreppe, Preisvergleich auf dem Handy. Die Fahrt lohnt sich, sobald es um mehr als zwanzig Euro geht. Sportschuhe holt man ebenfalls dort, oder man bestellt online – das machen inzwischen viele. Sassari ist nah genug, dass man morgens hinfährt und mittags wieder zu Hause isst. Was Sorso selbst nicht hat, holt man dort – ohne Drama, ohne Umweg, ohne es besonders zu erwähnen.
Besonderheiten
Der Cannonau aus den Lagen direkt um Sorso schmeckt anders als der aus dem Supermarktregal in Sassari. Weingüter in der unmittelbaren Umgebung verkaufen direkt ab Hof – manchmal mit Etikett, manchmal in die mitgebrachte Korbflasche. Wer zur richtigen Zeit kommt und fragt, bekommt auch Proben. Dazu kommt der Pecorino: Ein lokaler Käser, dessen genaue Adresse man sich am besten im Ort geben lässt, macht einen Schafskäse, den man nirgends verpackt kauft. Einheimische bringen ihn zu Festen mit. Gäste fragen danach, wenn sie einmal davon gegessen haben.