Shopping in Squillace

Wer hier fünf Jahre lebt, lernt schnell: Brot, Olivenöl und frische Pasta kauft man im Ort – alles andere plant man. Die Einkaufstasche am Abend ist klein, aber gut gefüllt: ein Laib Brot, vielleicht etwas Käse vom Mann, der seine Sachen aus dem Auto verkauft. Einen neuen Topf, Socken, Druckerpapier – dafür fährt jeder nach Catanzaro. Niemand hier sucht lange nach Alternativen. Die Wege sind bekannt, die Erwartungen realistisch. Das ist kein Mangel. Das ist der Rhythmus.

Einkaufsstraßen

Die Hauptstraße durch den Borgo ist eng, leicht abschüssig, und zwischen neun und zwölf Uhr gehört sie den Einheimischen. Zwei ältere Männer stehen vor dem kleinen Lebensmittelladen und reden. Eine Frau kommt mit einer Plastiktüte aus der Tür, nickt, geht weiter. Die Fassaden sind alt, die Läden wenige – aber die, die es gibt, haben alles Nötige. Wer hier morgens einkauft, kennt die Inhaberin beim Vornamen. Touristen laufen an dieser Straße oft vorbei, weil sie die Aussicht auf die Bucht suchen.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd braucht oder Schuhe mit einem Namen auf der Sohle, fährt nach Catanzaro – eine halbe Stunde bergab. Dort gibt es das Corso Mazzini mit seinen Geschäften, die hier niemand vermisst, bis man sie braucht. Catanzaro ist keine Shoppingmetropole, aber es reicht. Wer mehr will, fährt weiter nach Lamezia Terme zum Einkaufszentrum. Squillace selbst bietet das nicht – und die meisten hier stört das wenig. Der Ausflug nach Catanzaro gehört zum Kalender wie der Zahnarzttermin.

Viertel & Boutiquen

Im alten Oberdorf, dem Borgo mit seinen engen Gassen, gibt es einen kleinen Laden, den Besucher nicht finden, weil kein Schild draußen darauf hinweist. Man kauft dort Haushaltsware, Kerzen, manchmal Werkzeug. Die Inhaberin kennt jeden. Wer neu ist, wird freundlich, aber leise beobachtet. Dieser Laden ist kein Geheimnis – er ist einfach nicht beschriftet. Einheimische gehen dort hinein, wie man in eine Küche geht: selbstverständlich. Wer als Besucher fragt, wird reingelassen. Wer nicht fragt, läuft vorbei.

Märkte & Spezialitäten

Einen festen Wochenmarkt mit Marktständen und Marktruf gibt es in Squillace nicht – jedenfalls nicht in dem Sinne, wie man ihn aus deutschen Städten kennt. Frisches Gemüse kauft man beim Händler, der ein- oder zweimal die Woche mit seinem Lieferwagen kommt und am Straßenrand hält. Die Leute kommen raus, sobald sie den Motor hören. Tomaten, Zucchini, Paprika – was die Saison hergibt. Wer einen Garten hat, kauft sowieso wenig. Wer keinen hat, wartet auf den Lieferwagen.

Einkaufszentren & Outlets

Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man nach Lamezia Terme. Dort gibt es ein Einkaufszentrum mit den üblichen Elektro- und Sportgeschäften. Die Fahrt dauert knapp vierzig Minuten – man plant den ganzen Tag ein. Catanzaro hat auch Elektroläden, ist aber näher und kleiner. Squillace-Leute fahren nicht oft, aber wenn, dann mit einer Liste. Der Ausflug ist Pflicht und Ausflug zugleich: Mittagessen, Einkauf, Rückfahrt. Kinder freuen sich. Eltern rechnen nach. Am Abend steht die neue Waschmaschine im Kofferraum.

Besonderheiten

Squillace ist bekannt für seine Keramik – das ist kein Klischee, sondern Tatsache mit langer Geschichte. Die lokale Töpfertradition reicht weit zurück, die Muster sind erkennbar, die Farben kräftig. Im Borgo gibt es Werkstätten, wo man Teller, Schüsseln und Vasen direkt beim Hersteller kauft. Einheimische kaufen dort zu Hochzeiten, Taufen, als Gastgeschenk für Verwandte aus dem Norden. Wer ein Stück Squillace mit nach Hause nehmen will – nicht als Souvenir, sondern als Gebrauchsgegenstand – kauft hier. Das Stück kostet wenig und hält ein Leben.