Shopping in Susa

Morgens läuft hier fast jeder zuerst zum Bäcker oder zur Bar – ein Croissant, ein Espresso, vielleicht ein halbes Brot unter dem Arm. Käse und Aufschnitt vom lokalen Feinkosthändler landen in der Tasche, nicht im Supermarkt. Was fehlt: Kleidung jenseits des soliden Mittelfelds, Elektronik, Markenläden. Wer abends heimkommt und nach einem neuen Pullover sucht, hat meist in Turin eingekauft. Die Stadt versorgt den täglichen Hunger gut – alles andere holt man sich anderswo.

Einkaufsstraßen

Die Corso Trieste ist die Ader, durch die Susa atmet. Nicht hübsch, nicht touristisch – aber zwischen neun und zwölf Uhr passiert hier alles. Die Apotheke zieht eine Schlange, die Tabaccheria wechselt Bustickets gegen Kleingeld, und vor dem kleinen Lebensmittelgeschäft lehnt jemand mit einem Einkaufsnetz und redet mit dem Nächsten. Die Straße ist breit genug für zwei Autos, aber schmal genug, dass man jeden grüßt, den man kennt – und das sind viele.

Luxus & Designer

Wer in Susa ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Geox kaufen will, fährt nach Turin. Die Strecke über die Autobahn A32 dauert gut vierzig Minuten – an einem normalen Samstag eher fünfzig. In Turin landet man dann in der Via Roma oder in einem der Einkaufszentren am Stadtrand, wo steht, was hier schlicht nicht existiert. Der Aufwand lohnt sich für größere Anschaffungen. Für einen einzigen Gürtel nicht unbedingt.

Viertel & Boutiquen

In der Altstadt, rund um die Kathedrale San Giusto, gibt es Läden, an denen Besucher vorbeigehen ohne hineinzuschauen. Ein kleiner Haushaltsladen, dessen Schaufenster seit Jahren dasselbe zeigt – aber drinnen kennt der Inhaber jeden Kunden beim Namen und weiß, was man braucht, bevor man fragt. Wer hier einkauft, kommt nicht wegen des Preises. Er kommt, weil der Laden seit seiner Kindheit dort steht und das eine Gefühl mitverkauft, das kein Supermarkt hinbekommt.

Märkte & Spezialitäten

Dienstags und freitags öffnet in Susa ein Wochenmarkt auf der Piazza della Repubblica. Die Stände kommen früh, gegen acht Uhr morgens ist der Aufbau schon fertig. Gemüse aus dem Tal liegt neben Socken und Arbeitshandschuhen, ein Stand verkauft nur Oliven und eingelegtes Gemüse, ein anderer Hosen in drei Größen. Die Kundschaft ist gemischt – Rentnerinnen mit Trolleys, aber auch jüngere Familien, die wissen, dass der Tomatenstand am Ende der Reihe besser ist als der erste.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man nach Rivoli oder an den westlichen Rand von Turin, wo die großen Elektromärkte stehen. Sportschuhe findet man im Einkaufszentrum Le Gru in Grugliasco – von Susa aus knapp eine Stunde. Man fährt nicht jeden Monat, aber wenn man fährt, erledigt man gleich mehreres. Das ist hier keine Niederlage, sondern Kalkül: einmal hinfahren, alles mitnehmen, nicht zweimal.

Besonderheiten

Im Val di Susa wächst der Genepì – ein Bergkraut, aus dem lokale Produzenten einen Kräuterlikör brennen, den man in dieser Form außerhalb des Tals kaum findet. In kleinen Läden in Susa und bei einigen Bauernhöfen weiter oben im Tal gibt es ihn flaschenweise. Einheimische kaufen ihn zu Weihnachten, als Mitbringsel, oder einfach für den Abend. Wer einmal davon probiert hat und ihn später im Supermarkt einer anderen Stadt sucht, wird ihn nicht finden – zumindest nicht diesen hier.