Zum Inhalt springen
Wer in Taormina wohnt, kauft zwei verschiedene Leben ein. Das eine spielt sich in der Altstadt ab: Souvenirs, Keramik, Olivenöl für Gäste. Das andere passiert unten, in Taormina Mare oder in Giardini-Naxos – dort liegen die Supermärkte, dort kauft man Waschmittel, Pasta, das Billigshampoo. Die Einkaufstasche am Abend trennt beides sauber: oben das Schöne, unten das Nötige. Wer eine Waschmaschine braucht oder neue Laufschuhe, fährt erst gar nicht hoch. Den Berg erklimmt man für Besucher – oder für granita vom Stammcafé.
Einkaufsstraßen
Der Corso Umberto ist die Hauptschlagader – lang, schmal, gepflastert, und zwischen neun und zwölf Uhr ein einziges Gedränge aus Touristen, Lieferfahrzeugen und Einheimischen mit Stoffbeutel. Die Ladenbesitzer stapeln Keramikteller bis auf den Gehweg. Zwischendrin: ein Lebensmittelladen, dem niemand ansieht, dass er seit dreißig Jahren derselbe ist. Wer hier wirklich einkauft, kennt die Lücken – die kurze Seitengasse, in der kein Reiseführer wartet, und den kleinen Alimentari, wo die Käsetheke hinter Vorhang liegt.
Luxus & Designer
Ein gutes Hemd kauft man in Taormina nicht. Die Läden am Corso zielen auf Urlauber – Leinen, Sommerfarben, Preise für Leute, die einmal durchlaufen. Wer eine ernsthafte Marke will, fährt nach Catania. Neunzig Minuten Autobahn, dann die Via Etnea – dort stehen die bekannten Namen Tür an Tür. Catania ist die Stadt, die das leistet, was Taormina verweigert: normale Läden für normale Leute mit normalem Budget. Man geht dorthin zweimal im Jahr, kombiniert es mit einem Arzttermin, und kommt mit vollen Taschen zurück.
Viertel & Boutiquen
Unterhalb der Altstadt, in Richtung Taormina Mare, liegt das echte Einkaufsleben. Kein Glanz, keine Aussicht, dafür Parkmöglichkeiten und Läden, die keine englischen Preisschilder kennen. Dort kaufen Familien ihren Alltagsbedarf – beim Metzger, dessen Schaufenster man von der Straße aus riecht, beim kleinen Supermarkt mit den engen Gängen. Besucher kommen dort nie an, weil sie nie hinunterfahren. Der Unterschied zeigt sich beim Brotpreis: oben zahlt man für Atmosphäre, unten für Brot.
Märkte & Spezialitäten
Einen großen, belebten Wochenmarkt wie in Catania oder Messina gibt es in Taormina nicht. Frisches Gemüse kauft man stattdessen beim kleinen Händler an der Durchgangsstraße nach unten – ein Stand, ein Sonnenschirm, eine alte Waage. Dienstagvormittags steht dort dieselbe Frau aus dem Nachbardorf und verkauft Tomaten, die noch warm von der Sonne sind. Wer sie nicht kennt, fährt am Stand vorbei, ohne ihn zu sehen. Wer sie kennt, hält immer an. So funktioniert Gemüse hier.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man nach Giardini-Naxos oder direkt nach Catania. In Giardini gibt es Elektrohändler und Schuhketten – keine Glanzmeile, aber alles da, was man braucht. Catania hat das Größere: Einkaufszentren mit vollen Parkplätzen und Rollentreppen. Die Fahrt lohnt sich, wenn die Liste lang ist. Viele kombinieren solche Fahrten mit dem Monatsgroßeinkauf im Ipercoop – einmal raus, alles erledigen, zurückfahren. Den Berg fährt man dann leer hoch und die Taschen voll rein.
Besonderheiten
Die Keramik aus Taormina ist nicht die beste Siziliens – die kommt aus Caltagirone. Aber die Granita hier ist eine andere Geschichte. Es gibt Cafés am Corso, die seit Generationen dieselbe Mandelmischung verwenden, und Einheimische haben ihren Stammplatz, an dem sie nicht verhandelbar festhalten. Dazu: lokales Olivenöl aus den Hängen des Ätna, das man in kleinen Läden abseits des Corso findet – keine Touristen-Verpackung, nur braune Flaschen ohne großes Label. Wer fragt, bekommt auch einen Liter mehr für die Nonna zuhause.