Wer in Taranto morgens seine Einkaufstasche füllt, kennt die Stationen auswendig. Brot kommt vom Bäcker im Viertel, Gemüse vom Stand an der Straßenecke, Fleisch vom Metzger, bei dem die Nonna schon eingekauft hat. Der Supermarkt ist für Putzmittel und Nudeln. Was fehlt: eine wirklich breite Auswahl an Markenklamotten, an Designermöbeln, an allem, was über den Alltag hinausgeht. Das kauft man anderswo. Wer abends heimkommt, hat das Notwendige – und das Besondere hat er heute einfach nicht gefunden.
Einkaufsstraßen
Die Via d'Aquino ist die Ader, durch die der Handel fließt. Sie ist nicht breit, nicht besonders schön, aber zwischen neun und zwölf Uhr gehört sie den Menschen. Rentner schlurfen von Laden zu Laden, Mütter schieben Kinderwagen, ein paar junge Frauen stehen vor einem Schaufenster mit Sommerkleidern. Die Geschäfte hier sind klein, eng, laut – ein Schuhgeschäft neben einer Bar neben einem Tabak. Wer hier um zehn Uhr einen Kaffee trinkt, sieht halb Taranto vorbeigehen.
Luxus & Designer
Wer in Taranto ein Hemd von Boggi sucht oder Schuhe von Tod's, sucht vergeblich. Die Fahrt nach Bari dauert etwa eine Stunde – und Bari hat das. Dort liegen die Boutiquen in der Altstadt und entlang der Via Sparano, dort stehen die Läden mit bekannten Namen und langen Kassenbons. Tarantiner fahren dorthin nicht jeden Monat, aber zu besonderen Anlässen: Abschluss, Hochzeit, runder Geburtstag. Sie wissen genau, was sie wollen, wenn sie ankommen – sie haben zu Hause zu lange gewartet.
Viertel & Boutiquen
Die Altstadt auf der Halbinsel, die Città Vecchia, zeigt dem Besucher vor allem Verfall und Stille. Aber wer die engen Gassen kennt, findet dort noch einzelne Läden, die aussehen als hätten sie dreißig Jahre übersprungen: eine Eisenwarenhandlung, ein Fischhändler, der seinen Kram auf der Gasse auslegt. Einheimische aus bestimmten Familien kaufen dort seit Generationen. Touristen laufen vorbei, weil kein Schild winkt und kein Instagram-Account lockt. Wer dort kauft, kennt den Inhaber beim Namen – und der Inhaber kennt seine Mutter.
Märkte & Spezialitäten
Am Morgen, wenn die Sonne noch flach steht, öffnet der Markt im Bereich der Via Cugini sein Treiben. Alte Frauen mit Körben prüfen Tomaten mit beiden Händen, Händler rufen Preise, Orangen liegen in Pyramiden. Was auf den Tischen liegt, kam heute früh aus der Umgebung: Apuliens Erde ist gut, das merkt man an den Paprika. Wer frischen Fisch will, geht früh – wer zu spät kommt, kauft was übrig ist. Der Markt belohnt die Frühaufsteher und bestraft alle anderen.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht oder Laufschuhe in Größe 46, fährt in ein Einkaufszentrum außerhalb der Stadt – Richtung Peripherie, wo die großen Parkplätze beginnen und die Schilder orange leuchten. Das Zentrum dort hat die üblichen Verdächtigen: Elektronikmärkte, Sportgeschäfte, eine Handvoll Ketten für Klamotten. Die Fahrt lohnt sich bei größeren Anschaffungen, nicht für ein Paar Socken. Samstagnachmittag ist das Zentrum der ungemütlichste Ort in ganz Taranto – voll, laut, die Parkplatzsuche ein eigener Sport.
Besonderheiten
Tarantos echter Schatz liegt im Wasser: die Cozze tarantine, die Miesmuscheln aus dem Mar Piccolo. Einheimische kaufen sie direkt bei den Muschelzüchtern, die ihre Boote am Ufer anlegen – keine Verpackung, kein Aufkleber, nur ein Netz voller Muscheln und ein Preis, der verhandelt wird. Wer die Muscheln einmal frisch gegessen hat, versteht, warum Tarantiner über Miesmuscheln aus dem Supermarkt nur müde lächeln. Das ist kein Touristenerlebnis. Das ist ein Dienstagabend.