Die Einkaufstasche eines Tarquiniesen enthält morgens Brot vom Bäcker in der Altstadt, mittags vielleicht Käse aus einer der kleinen Salumerie nahe der Piazza Cavour. Was fehlt: Markenkleidung, Elektronik, große Auswahl. Wer ein Geschenk sucht oder neue Schuhe braucht, fährt nach Viterbo oder Civitavecchia – das ist keine Ausnahme, das ist Normalität. Die meisten hier haben ein Auto, und die Fahrt gehört einfach zum Monat dazu.
Einkaufsstraßen
Die Via Umberto I ist die Ader der Oberstadt. Morgens zwischen neun und zwölf schieben sich dort ältere Frauen mit Stofftaschen an Hausecken vorbei, wo jemand Tomaten auf einem Klapptisch verkauft. Kein Spektakel, kein Marktplatz – nur ein schmaler Streifen Altstadt, auf dem zwei Männer vor der Bar stehen und ein Friseur seine Tür aufmacht. Wer Farbe an einer Hausfassade sucht, findet sie eher in den Auslagen der kleinen Läden als in der Straße selbst.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Lederschuhe einer bekannten Marke kaufen will, fährt nach Viterbo – knapp 45 Minuten östlich. Dort gibt es eine anständige Fußgängerzone mit Filialen, die man aus deutschen Innenstädten kennt. Manche fahren auch nach Civitavecchia, wenn sie gleichzeitig den Hafen sehen wollen. Tarquinia selbst hält das nicht auf – es gibt keine Boutique, die ernsthaft mit diesen Städten konkurriert. Das wissen alle hier, und niemand beschwert sich laut darüber.
Viertel & Boutiquen
In der unteren Neustadt, unterhalb der mittelalterlichen Mauern, gibt es einen kleinen Straßenzug mit Läden, an denen Besucher einfach vorbeigehen – weil sie nicht wissen, dass man dort Haushaltsware, Werkzeug und günstige Kleidung kauft. Kein Schaufenster, das einlädt. Eine Eisenwarenhandlung, die schon die Großeltern kannten. Wer dort einkauft, ist kein Tourist, sondern jemand, dem der Hahn tropft und der keine halbe Stunde Auto fahren will.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags gibt es einen Wochenmarkt in Tarquinia – keine große Sache, aber er existiert. Ein paar Stände mit Gemüse, Obst, Arbeitskleidung, billigem Haushaltstextil. Wer die Saison kennt, kauft dort Zucchini aus der Umgebung, die am Abend vorher noch am Strauch hingen. Die Standler kommen teilweise von den Feldern zwischen Tarquinia und der Küste. Wer samstags zu spät kommt, findet nur noch die leeren Holzkisten.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man nach Civitavecchia – rund 30 Kilometer südwestlich, direkt an der Küste. Dort gibt es Elektronikmärkte und Einrichtungshäuser an der Ausfallstraße, wie man sie aus Gewerbegebieten kennt. Die Fahrt lohnt sich, wenn man sowieso was Großes plant. Manche koppeln es mit Erledigungen am Hafen. Wer nur Sportschuhe braucht, überlegt vorher, ob er nicht online bestellt – das machen inzwischen auch die Älteren hier.
Besonderheiten
Das Gebiet um Tarquinia liegt in der Maremma, und das schmeckt man. Lokaler Olivenöl aus kleinen Pressen in der Umgebung, Pecorino aus dem Hinterland, Wildschweinwurst aus Metzgereien, die nicht auf der Touristenroute liegen. Wer das richtig einkaufen will, fragt einen Einheimischen – nicht das Netz. Die besten Sachen stehen nicht in Schaufenstern. Vor allem im Herbst, wenn die Jagdsaison beginnt, liegen in manchen Läden Dinge auf der Theke, die drei Wochen später weg sind.