Die Einkaufstasche aus Tempio Pausania sieht meistens so aus: unten Käse vom Pecorino-Händler in der Altstadt, oben Brot vom Bäcker an der Ecke, dazwischen nichts Überraschendes. Klamotten kaufen die Leute nicht hier – dafür fährt man nach Olbia oder Sassari. Was man sucht und nicht findet: Markenschuhe, Elektrogeräte, eine Buchhandlung mit Auswahl. Was man findet, ohne zu suchen: jemanden, der den Vater kennt und beim Preis nicht auf die Kasse schaut.
Einkaufsstraßen
Der Corso Matteotti ist die Straße, auf der sich das meiste abspielt – nicht wegen der Schaufenster, sondern wegen der Menschen. Zwischen neun und zwölf Uhr läuft hier fast die ganze Stadt durch: alte Männer vor der Bar, Frauen mit Trolley auf dem Weg zum Lebensmittelladen, ein paar Jugendliche, die nichts kaufen wollen. Die Läden sind schmal, die Auslagen bescheiden. Es gibt Haushaltswaren, Kleidung ohne Label, einen Optiker. Wer zügig laufen will, wählt eine andere Straße.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd braucht, fährt nach Olbia – knapp eine Stunde über die SS127. Dort gibt es Geschäfte mit bekannten Marken, ein kleines Einkaufszentrum und Schuhhändler, die auch Größen über 44 führen. Sassari ist weiter, aber größer: Wer gezielt Markenware sucht, macht dort einen halben Tag draus. In Tempio selbst findet man ordentliche Alltagskleidung, aber nichts, womit man auf einer Hochzeit in Mailand auffällt.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Hauptplatz, in den engen Gassen der alten Oberstadt, gibt es Läden ohne Schaufenster – oder mit Schaufenstern, denen man nicht ansieht, was drinnen verkauft wird. Ein Eisenwarenhändler, der Dinge auf Lager hat, die es online nicht gibt. Ein Hinterhof, in dem jemand Wein aus eigener Produktion verkauft. Besucher laufen daran vorbei, weil es kein Schild gibt und kein Google-Eintrag. Einheimische klopfen einfach. Die Tür geht auf.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs findet auf einem der Plätze am Stadtrand ein kleiner Wochenmarkt statt – Gemüse, Haushaltsware, manchmal Kleidung von Händlern, die die gleichen Stände auch in Berchidda und Calangianus aufbauen. Was auf dem Tisch liegt, hängt von der Jahreszeit ab: im Herbst Artischocken und Tomaten, im Winter Zitrusfrüchte. Wer keinen Markt erwischt, kauft Gemüse im kleinen Lebensmittelladen – oder fragt den Nachbarn, dessen Schwiegervater einen Garten hat.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank fährt man nach Olbia. Dort gibt es ein Einkaufszentrum mit Elektromarkt, Sportgeschäft und allem, was in Tempio fehlt. Die Fahrt lohnt sich für größere Anschaffungen, die man nicht dem erstbesten Online-Händler überlassen will. Manche fahren auch nach Sassari, wenn der Preis stimmt oder das Modell nur dort verfügbar ist. Wer einen freien Samstag hat, verbindet den Einkauf mit einem Mittagessen – und kommt mit vollem Kofferraum zurück.
Besonderheiten
Der Pecorino aus der Gegend um Tempio Pausania schmeckt anders als der vom Festland – schärfer, trockener, mit einem leichten Nachgeschmack nach Macchia. Den kauft man nicht im Supermarkt, sondern direkt beim Käser oder bei einem der wenigen Händler in der Altstadt, die ihn aus lokaler Produktion beziehen. Gleiches gilt für Mirto: der Likör aus Myrtenbeeren, den Großmütter hier anders ansetzen als in Cagliari. Wer ein gutes Glas davon will, fragt – nicht kauft.