Shopping in Teramo

Morgens kauft man Brot beim Bäcker, nicht im Supermarkt – das ist hier keine Nostalgie, sondern Gewohnheit. Die Einkaufstasche am Abend enthält Käse vom Markt, vielleicht ein Stück Fleisch vom Metzger an der Ecke, und irgendetwas, das man eigentlich nicht brauchte. Wer ein Markenhemd sucht, fährt nach Pescara. Wer eine neue Matratze braucht, auch. Teramo versorgt sich selbst für das Tägliche – aber bei allem, was größer oder teurer wird, schaut die Stadt automatisch in Richtung Küste.

Einkaufsstraßen

Der Corso San Giorgio ist die Schlagader. Kein Glamour, keine Fußgängerzone mit Pflastersteinen – aber zwischen neun und zwölf Uhr läuft hier alles. Alte Frauen mit Trolleys, Schüler mit Rucksäcken, jemand der kurz für einen Espresso stehen bleibt und dann doch eine Viertelstunde bleibt. Die Läden sind eng, die Auslagen voll, dazwischen ein Optiker, eine Apotheke, ein Schreibwarenladen, der so aussieht, als hätte er sich seit 1987 nicht verändert. Wer etwas braucht, geht hier entlang und findet meistens jemanden, der weiß wo.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd will – wirklich gut, nicht nur teuer – fährt nach Pescara. Neunzig Minuten auf der A24, dann die Corso Umberto I runter: dort stehen die Flagship-Stores, die Teramo nie hatte und wohl nie haben wird. Manche fahren auch nach L'Aquila, weil es näher liegt und weil die Boutiquen dort kleiner sind und die Beratung echter. Was man in Teramo nicht findet: Schuhe von Marken, die einen Marmoreingang brauchen. Was man findet: einen Schuhmacher, der die alten wieder so macht, dass man die neuen vergisst.

Viertel & Boutiquen

Hinter der Kathedrale, in den Gassen rund um die Altstadt, gibt es Läden ohne Schaufenster. Kein Witz – man klingelt, oder man kennt jemanden, der klingelt. Ein älterer Mann verkauft dort Haushaltsware aus dem Keller seines Hauses: Töpfe, Messer, Dinge, die halten. Kein Schild, keine Kasse, kein Beleg. Touristen laufen daran vorbei, weil es wie eine Haustür aussieht. Einheimische gehen hinein, weil ihre Mutter ihnen die Adresse gegeben hat. So funktioniert ein Drittel des Einkaufens hier.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs und samstags baut sich auf dem Piazzale della Stazione der Markt auf. Kein romantisches Bauernmarkterlebnis – Plastikplanen, Metallgestelle, Händler die seit fünf Uhr morgens da sind und keine Geduld mehr für Unentschlossene haben. Auf den Tischen liegt Gemüse aus dem Umland, Arbeitskleidung, Socken im Zehnerpack, manchmal Ledergürtel. Die Omas kommen früh und wissen genau, bei welchem Stand das Gemüse heute besser ist. Wer um elf kommt, bekommt, was übrig ist. Wer um neun kommt, bekommt Auberginen, die nach August schmecken.

Einkaufszentren & Outlets

Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe von einer Marke, die man aus der Werbung kennt, fährt man nach Roseto degli Abruzzi oder direkt nach Pescara. An der Küste gibt es ein Gewerbegebiet mit den üblichen Verdächtigen: einem Elektronikhändler, einem Sportartikelgeschäft, einem Möbelhaus. Die Fahrt lohnt sich, wenn man schon weiß was man will – wer noch schaut, kauft am Ende online. Teramo hat kleine Elektroläden in der Innenstadt, die solide beraten und ehrliche Preise machen. Aber einen neuen Fernseher trägt dort niemand mehr hinein.

Besonderheiten

Der Pecorino aus dem Umland von Teramo ist nicht derselbe wie der aus dem Supermarkt in Deutschland, und das merkt man beim ersten Bissen. Ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, in den Dörfern Richtung Gran Sasso, verkaufen Schäfer direkt ab Hof – kein Laden, kein Logo, kein Mindestbestellwert. Den Käse kauft man hier zu Ostern, zum Familienfest, oder wenn man jemandem etwas mitbringen will, das erklärt, wo man lebt. Die Arrosticini – die kleinen Lammspieße – kauft man roh beim Metzger und macht sie selbst. So macht man es hier.