Die Einkaufstasche am Abend in Tirano ist überschaubar befüllt: Brot vom Bäcker in der Altstadt, vielleicht ein Stück Käse aus einer der kleinen Alimentari, die man nur findet, wenn man die richtigen Gassen kennt. Gemüse kaufen viele bei den Händlern am Rand des Zentrums, nicht im Supermarkt. Was hier fehlt: Elektronik, Markenklamotten, große Auswahl bei Haushaltsgeräten. Wer das braucht, plant einen anderen Tag ein – mit Auto.
Einkaufsstraßen
Die Via Roma ist die Ader, durch die Tirano morgens zu sich kommt. Zwischen neun und zwölf Uhr parken dort Lieferwagen halb auf dem Gehweg, Frauen mit Einkaufstaschen grüßen sich vor dem Eingang zur Bar, Männer trinken ihren Espresso im Stehen. Die Läden hier sind klein: ein Schreibwarengeschäft, eine Apotheke, eine Alimentari mit Aufschnitt hinter Glas. Wer zügig durchläuft, verpasst den Laden ohne Schild, der die besten lokalen Weine führt.
Luxus & Designer
Wer in Tirano ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Tod's sucht, fährt nach Sondrio. Sondrio liegt eine halbe Stunde westlich, und dort gibt es entlang der Haupteinkaufsstraße das, was Tirano nicht hat: Markengeschäfte, eine Auswahl an Designermode, Schuhläden mit Tiefgang im Regal. Einige fahren auch nach Lugano – die Schweizer Grenze liegt näher, als viele denken, und das Angebot dort ist nochmal größer, wenn auch die Preise es auch sind.
Viertel & Boutiquen
Wer in der Altstadt zwischen Basilica und den alten Palazzi sucht, findet Läden, die keine Schaufensterdekoration kennen. Eine Eisenwarenhandlung, die seit Jahrzehnten dieselbe Familie führt. Ein kleines Geschäft, das Haushaltswaren verkauft, die man anderswo nicht mehr sieht. Besucher laufen an diesen Türen vorbei, weil kein Hinweisschild lockt und kein Google-Eintrag existiert. Einheimische kennen die Öffnungszeiten auswendig – und wissen, dass man mittwochs besser nicht hingeht.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs verwandelt sich ein Platz nahe dem Zentrum in einen Wochenmarkt. Gemüsehändler aus der Region stellen ihre Kisten auf, daneben Stoffe, Haushaltsartikel, manchmal Kleidung aus zweiter Hand. Die Kundschaft ist gemischt: ältere Frauen aus Tirano selbst, ein paar Pendler auf dem Weg zur Arbeit, gelegentlich Touristen, die verwirrt wirken. Was hier liegt, kommt aus dem Veltlin – Äpfel, Kartoffeln, Zucchini je nach Jahreszeit. Schnell sein lohnt sich, das Beste ist um zehn Uhr weg.
Einkaufszentren & Outlets
Einen Kühlschrank kauft in Tirano niemand in Tirano selbst. Dafür fährt man nach Sondrio oder direkt ins Gewerbegebiet an der Talstraße Richtung Westen, wo die üblichen Elektromarktketten stehen. Sportschuhe in größerer Auswahl gibt es ebenfalls dort. Die Fahrt lohnt sich, wenn die Liste lang genug ist – also kombiniert man: Möbelmarkt, Elektronik, vielleicht ein Mittagessen, das man zuhause nicht kocht. Wer nur eine Sache braucht, bestellt sie oft lieber online.
Besonderheiten
Sforzato di Valtellina kommt aus dieser Gegend – und nirgendwo sonst. Dieser trockene Rotwein aus angetrocknetem Nebbiolo-Trauben liegt in kleinen Weinhandlungen in Tirano und bei Winzern in den Hangdörfern oberhalb der Stadt. Wer einen guten Jahrgang will, fragt im Laden – nicht im Supermarkt. Ähnliches gilt für Bresaola und Pizzoccheri-Teigwaren: im Vakuumbeutel aus dem Discounter gibt es beides überall, aber aus den kleinen Manufakturen im Tal schmeckt es anders. Das weiß hier jeder. Und verkauft es auch so.