Die Einkaufstasche am Abend sagt viel über Tortona: Brot vom lokalen Bäcker, Käse vom Feinkostladen um die Ecke, vielleicht ein Glas Barbera vom Weinhändler. Was die Leute hier kaufen, kaufen sie meist in kleinen, vertrauten Läden – den Inhaber kennt man beim Namen. Was fehlt, ist klar: Wer Markenkleidung will oder ein größeres Elektronikgerät braucht, fährt weg. Tortona versorgt den täglichen Bedarf gut, aber wer mehr will, plant die Fahrt nach Alessandria oder gleich nach Mailand ein.
Einkaufsstraßen
Die Corso Alessandria ist die Ader, auf der Tortona wirklich einkauft – keine Prachtmeile, aber die Straße, auf der zwischen neun und zwölf die meiste Bewegung herrscht. Pensionäre gehen langsam, Taschen in der Hand, grüßen den Tabakhändler. Mütter schieben Kinderwagen am Lederwarengeschäft vorbei. Die Schaufenster sind nicht aufregend, aber die Läden sind offen, die Inhaber stehen draußen. Wer Dienstagvormittag durch diese Straße läuft, sieht Tortona so, wie es sich selbst versteht – bescheiden, verlässlich, ohne großes Aufheben.
Luxus & Designer
Ein gutes Hemd kauft man in Tortona nicht. Das wissen die Tortonesi selbst und planen entsprechend. Wer Marken will, fährt nach Mailand – knapp neunzig Kilometer, mit dem Zug in einer Stunde. Dort wartet die Via Montenapoleone für Ernsthaftes, das Outletcenter Serravalle Scrivia für Verünftiges. Serravalle ist näher, keine dreißig Minuten mit dem Auto, und an Wochenenden fahren ganze Familien hin. Wer einmal dort war, versteht, warum Tortona keine eigene Boutique mit vier Marken braucht – der Abstand lohnt sich schlicht mehr.
Viertel & Boutiquen
Hinter der Kathedrale, wo die Gassen enger werden und die Touristen ausbleiben, liegt ein kleiner Feinkostladen, den kein Schild von der Straße ankündigt. Man findet ihn, weil jemand einen hinschickt. Dort kaufen Einwohner Salami aus dem Piemontesischen, eingemachte Pepperoni, lokalen Käse – Dinge, die keine Verpackung brauchen, weil man dem Händler vertraut. Besucher laufen vorbei, weil sie nicht wissen, dass man klingeln muss. Das ist Tortona: Manche Läden funktionieren nur, wenn man eingeführt wurde.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags baut sich auf der Piazza Duomo der Wochenmarkt auf – keine Touristenattraktion, sondern ein echter Arbeitstag. Gemüsebauern aus dem Umland stellen Kisten mit Zucchini und Tomaten auf die Tische, eine Frau verkauft selbstgemachte Pasta aus einer Plastikbox. Wer früh kommt, bekommt die besten Pilze. Wer um elf kommt, bekommt noch Rabatt, weil die Händler nicht nach Hause fahren wollen mit vollen Körben. Der Markt riecht nach feuchter Erde und gebratenem Focaccia vom Stand an der Ecke.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Alessandria – dreißig Kilometer, eine halbe Stunde. Dort gibt es die üblichen Elektronikmärkte, breite Parkplätze, Auswahl. Sportschuhe kaufen jüngere Tortonesi oft in Serravalle Scrivia, weil die Marken dort preiswerter sind als in jedem lokalen Laden. Die Fahrt lohnt sich ab einem gewissen Betrag – unter hundert Euro nimmt man, was man in Tortona findet. Für alles darüber wird geplant, verglichen und dann das Auto genommen. Spontankäufe bei großen Geräten gibt es hier nicht.
Besonderheiten
Die Gegend um Tortona ist Salumi-Land, und das merkt man. Im Umland gibt es kleine Betriebe, die Coppa und Pancetta nach alten Rezepten herstellen – nicht für den Export, sondern für den lokalen Markt. Wer weiß, wen er fragen muss, kauft direkt beim Produzenten. Dazu kommt der Timorasso: ein Weißwein, der fast ausgestorben war und aus den Hügeln direkt hinter Tortona stammt. Weingüter in Monleale oder Montemarzino öffnen auf Anfrage ihre Keller. Was man dort kauft, bekommt man in dieser Form nirgendwo sonst.