Shopping in Treviglio

Morgens kauft man in Treviglio Brot beim Bäcker, nicht im Supermarkt – das ist keine Nostalgie, das ist einfach so. Die Conad-Filiale in der Innenstadt erledigt den Rest der Woche: Pasta, Wasser, Waschmittel. Wer Fleisch kauft, geht zur Metzgerei. Abends sind die Taschen voll, aber wer ein neues Hemd sucht oder Markenschuhe, schaut sich schon beim Einpacken um – das kauft man anderswo. Treviglio versorgt den Alltag gut. Alles andere spielt sich außerhalb ab.

Einkaufsstraßen

Die Corso Vittorio Emanuele II ist die Ader, auf der sich alles bündelt. Keine breite Prachtstraße, eher eng genug, dass man sich morgens zwischen halb zehn und zwölf durch die Einkäufer schlängeln muss. Rentnerinnen mit Rollwagen, Mütter mit Kinderwagen, der Herr vom Tabacchi, der kurz vor die Tür tritt. Die kleinen Läden hier – Schreibwaren, Apotheke, Bäcker, ein Schuhgeschäft mittlerer Preisklasse – bedienen die Leute, die zu Fuß kommen. Wer mit dem Auto kommt, fährt meistens schon weiter.

Luxus & Designer

Wer ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Tod's will, fährt nach Bergamo oder Mailand – das weiß hier jedes Kind. Bergamo liegt knapp zwanzig Kilometer weg, mit dem Zug von Treviglio aus in etwa zwanzig Minuten. Die Via XX Settembre in der Bergamoer Unterstadt hat Läden, die Treviglio nie haben wird. Mailand ist eine Stunde, aber man fährt nur dorthin, wenn es sich wirklich lohnt – ein Geburtstag, eine Hochzeit, ein Mantel für den Winter, der fünf Jahre halten soll.

Viertel & Boutiquen

Hinter dem Marktplatz, in den Gassen rund um die Basilika San Martino, lebt ein Treviglio, das Besucher nicht sehen – nicht weil es versteckt wäre, sondern weil es nichts Spektakuläres zeigt. Dort kauft man beim Elektriker des Vertrauens eine neue Glühbirne, holt den Schlüssel beim Schlüsseldienst ab, der seit dreißig Jahren dieselbe Tür hat. Kein Schaufenster, kein Google-Eintrag, oft nur ein handgeschriebenes Schild. Man kommt hierher, weil der Vater schon hier eingekauft hat.

Märkte & Spezialitäten

Dienstags und freitags baut sich auf der Piazza Cameroni der Wochenmarkt auf – früh morgens, wenn es noch kühl ist. Gemüse aus der Pianura Padana liegt auf den Tischen: Zucchini, Tomaten, Auberginen je nach Saison. Die Verkäufer kennen ihre Stammkunden, handeln selten, aber reden viel. Wer spät kommt, findet noch Strümpfe, Haushaltsware, billige Textilien. Die Nonna mit dem Korb ist um acht da, nicht um elf. Wer das verpasst, kauft Gemüse eben beim kleinen Lebensmittelhändler in der Innenstadt.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man nach Carugate oder Romano di Lombardia – dort gibt es die großen Elektronikmärkte wie Unieuro oder MediaWorld, die Treviglio selbst nicht hat. Romano liegt keine zehn Kilometer südlich, mit dem Auto eine Viertelstunde. Sportschuhe kaufen viele im Oriocenter bei Bergamo, dem großen Einkaufszentrum neben dem Flughafen – man fährt samstags, plant zwei Stunden ein, kommt mit mehr zurück als geplant. Das kennt jeder hier.

Besonderheiten

Die Patisserie und die Bäcker in Treviglio produzieren etwas, das man nicht einpacken, nicht versenden und nicht ersetzen kann: die Treccia di Treviglio, ein geflochtenes Hefegebäck, das in der Stadt eine eigene Geschichte hat und zu Ostern seinen großen Auftritt feiert. Man kauft es beim Konditor, nicht im Supermarkt – und wer es zum ersten Mal probiert, versteht sofort, warum die Einheimischen nichts Vergleichbares aus Mailand mitbringen würden.