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Wer morgens in Treviso unterwegs ist, hat eine Leinentasche dabei und einen klaren Plan. Brot vom Bäcker, Käse vom Formaggeria um die Ecke, Wein vom Händler, den man seit Jahren kennt. Der Supermarkt – meist ein Interspar oder Conad in der Nähe des Zentrums – ist für Waschmittel und Nudelpackungen zuständig, nicht für das Abendessen. Was man hier vergeblich sucht: eine große Flagship-Filiale internationaler Modeketten. Wer H&M oder Zara will, nimmt den Zug.
Einkaufsstraßen
Die Calmaggiore ist die Straße, auf der sich Treviso zwischen neun und zwölf Uhr sortiert. Sie verbindet den Dom mit der Piazza dei Signori und ist breit genug für Schaufenster, aber nicht für Hektik. Dienstagvormittag: Rentner mit Stöcken, Frauen mit Kinderwagen, ein Angestellter der Stadtverwaltung im Laufschritt. Die Läden hier verkaufen Schuhe, Lederwaren, Süßwaren. Wer schnell einkaufen will, biegt in die Seitenstraßen ab – dort ist Platz, dort kennt man sich.
Luxus & Designer
Ein Trevisaner, der ein gutes Hemd von Cucinelli oder Schuhe von Tod's kaufen will, fährt nach Venedig. Vierzig Minuten mit dem Regionalzug, dann Calle Larga XXII Marzo oder die Mercerie – dort stehen die Läden, die in Treviso fehlen. Manche fahren auch nach Mailand, wenn die Saison wechselt und die Sales beginnen. Was sie zu Hause finden: lokale Schneider, die ein Hemd besser sitzen lassen als jede Konfektionskette – aber das ist eine andere Art von Luxus.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Fischereikanal, in den Gassen rund um Borgo Cavour, kaufen Einwohner Dinge, nach denen kein Reiseführer fragt. Eine kleine Eisenwarenhandlung, in der der Inhaber noch weiß, welche Schraube zu welcher Wand passt. Ein Haushaltswarenladen mit Töpfen, die kein Onlineshop liefert, weil sie schwer und unverpackt sind. Besucher laufen dort durch, auf dem Weg zur nächsten Brücke, ohne innezuhalten. Einheimische gehen dorthin, weil man dort noch gefragt wird, was man braucht.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags liegt die Piazza Borsa unter Marktzelten. Gemüsebauern aus dem Umland stellen Kisten mit Radicchio di Treviso auf – der violette, bittere, der hier gewachsen ist und nirgendwo sonst so schmeckt. Daneben Käseverkäufer, ein Stand mit Haushaltsleinen, einer mit Socken. Wer früh kommt, bevor zehn Uhr, kauft besser. Später ist es laut, die Gänge zwischen den Ständen eng, und der beste Radicchio längst verkauft. Samstagvormittag gehört dem Markt – und dem, der weiß, dass er pünktlich sein muss.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt ins Gewerbegebiet südlich der Stadt, an der Ausfallstraße Richtung Mestre. Dort liegt ein MediaWorld, dort liegt ein Decathlon. Die Fahrt mit dem Auto dauert keine zwanzig Minuten, aber man braucht ein Auto – mit dem Bus ist es umständlich. Der Decathlon ist gut bestückt, Laufschuhe, Radsport, Camping. Der Ausflug lohnt sich, wenn man weiß, was man will. Wer browsend einkaufen möchte, fährt besser in das Centro Commerciale Emisfero, etwas weiter draußen – dort ist mehr Platz und weniger Eile.
Besonderheiten
Radicchio di Treviso Tardivo ist das, was man kauft und dann erklärt. Nicht das runde, sondern das langblättrige, das im Winter geerntet wird, nach dem ersten Frost, wenn die Bitterkeit sitzt wie sie soll. Im Dezember und Januar liegt er bei lokalen Händlern und auf dem Markt, manchmal mit einem Zettel dabei, auf dem der Hof steht. Wer einmal einen guten Tardivo gegessen hat – gegrillt, mit etwas Öl – versteht, warum Trevisaner über Supermarkt-Radicchio schweigen. Das ist keine Übertreibung. Das ist Saison.