Shopping in Tricarico

Wer hier fünf Jahre lebt, versteht schnell: Tricarico versorgt sich selbst bei den Dingen des täglichen Lebens – Brot, Käse, Fleisch, ein bisschen Gemüse. Die Einkaufstasche am Abend ist voll mit Sachen aus dem Ort. Aber ein neues Hemd, Turnschuhe, Elektrogeräte? Die kauft man woanders. Das weiß jeder, das stört kaum jemanden. Morgens läuft man zum Bäcker, grüßt den Nachbarn, kauft Provola beim Käsehändler. Wer abends mit leeren Händen aus Potenza zurückkommt, hat dort das besorgt, was Tricarico schlicht nicht hat.

Einkaufsstraßen

Die Hauptstraße durch den Ortskern ist die eigentliche Einkaufsachse – keine breite Flaniermeile, eher ein enger Korridor aus Stein. Zwischen neun und zwölf Uhr gehört sie den Einheimischen: Rentner vor dem Tabacchi, eine Frau mit Einkaufskorb, zwei Männer, die vor dem Lebensmittelladen reden und dabei eigentlich schon seit zwanzig Minuten stehen. Die Läden sind klein, die Türen offen. Wer schnell einkaufen will, braucht Geduld – weil das Gespräch beim Zahlen zum Kauf gehört.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd will oder Schuhe einer Marke, die man in der Werbung kennt, fährt nach Potenza. Das sind rund vierzig Kilometer, eine gute halbe Stunde auf der Schnellstraße – für die Basilicata ist das kein großer Aufwand. In Potenza gibt es die üblichen Ketten, ein Einkaufszentrum mit Parkplatz, Schuhläden mit aktuellem Sortiment. Tricarico hat das nicht, will es vielleicht auch nicht. Der Ausflug nach Potenza hat etwas Rituelles – man plant ihn, man fährt nicht eben mal schnell hin.

Viertel & Boutiquen

Es gibt einen kleinen Laden, den man als Besucher leicht übersieht – keine Schaufensterdeko, kein Schild, das ins Auge springt. Einheimische wissen, wo er ist, und kaufen dort Käse oder lokale Wurst direkt beim Produzenten oder dessen Bekannten. Solche Orte haben keine Öffnungszeiten im üblichen Sinn. Man klingelt, man kennt sich, man bekommt etwas. Das ist kein Geheimnis, aber es steht auf keiner Karte. Besucher laufen daran vorbei, weil sie nicht wissen, was hinter der unscheinbaren Tür liegt.

Märkte & Spezialitäten

Einmal pro Woche gibt es einen kleinen Markt in Tricarico – kein großes Ereignis, eher ein handhabbares. Ein paar Stände, Gemüse der Saison, manchmal Kleidung oder Haushaltswaren. Wer frisches Gemüse außerhalb des Markttages will, kauft es im kleinen Lebensmittelladen im Ort oder – wenn man die richtigen Leute kennt – direkt bei einem Bauern aus der Umgebung. Ein Anruf genügt, ein kurzer Weg, und man kommt mit Tomaten zurück, die tatsächlich nach Tomaten schmecken.

Einkaufszentren & Outlets

Einen Kühlschrank kauft man nicht in Tricarico. Für große Elektrogeräte, Sportschuhe oder alles, was einen Parkplatz und ein Kassensystem mit Garantiezettel braucht, fährt man nach Potenza. Dort gibt es Elektronikmärkte und größere Geschäfte, die auch Lieferung und Installation anbieten. Die Fahrt plant man nicht spontan – sie gehört zu einem Samstag, an dem man ohnehin mehrere Dinge erledigt: Gerät kaufen, beim Einkaufszentrum noch etwas essen, zurückfahren. Tricarico macht das nicht kleiner, es macht es einfach anders.

Besonderheiten

Der Canestrato di Moliterno und die lokale Lukanische Wurst – das sind die Dinge, für die man nach Tricarico und in seine Umgebung fährt, nicht umgekehrt. Wer sie direkt beim Erzeuger kauft, bekommt eine Qualität, die in keinem Supermarkt existiert. Einheimische kaufen solche Sachen zu Weihnachten, zur Hochzeit, wenn Besuch kommt. Dann fährt man zu jemandem, den man kennt, gibt mehr Geld aus als im Laden – und kommt mit etwas zurück, das man nicht einfriert, sondern sofort auspackt.