Urzulei – Gemeinde in Italien

Gemeinde in Italien

Die Straße nach Urzulei schlängelt sich durch Kalksteinfelsen, die so hell leuchten, dass man die Augen zusammenkneift. Das Dorf hängt am Rand des Supramonte, fast 600 Meter hoch, Ogliastra unter sich, das Meer in der Ferne. Hier leben knapp 1.300 Menschen, die Schafe kennen jeden Pfad besser als jede Karte. Urzulei ist kein Zwischenstopp. Wer anhält, tut es bewusst – wegen der Schlucht, wegen der Stille, wegen eines Sardiniens, das sich noch nicht verkauft hat.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Die Gola di Gorropu schneidet sich bis zu 500 Meter tief in den Kalkstein – Europas Grand Canyon, sagen manche, und das ist keine Übertreibung. Wände so eng, dass mittags kaum Licht hineinreicht. Der Weg hinein führt über Geröll und durch den Flodda-Bach. Wer klettert, braucht festes Schuhwerk und Orientierungssinn. Hoch oben im Supramonte versteckt sich Tiscali: ein nuragisches Dorf, das eine Felshöhle zur Decke hat. Niemand weiß genau, wann die Menschen hier wohnten. Die Chiesa di San Giorgio Martire steht ruhig im Dorf. Cala Goloritze liegt unten, am Meer – nur zu Fuß oder per Boot erreichbar, weißer Kalksteinfelsen, türkisfarbenes Wasser.

Natur & Umgebung

Der Supramonte ist kein freundliches Mittelgebirge. Er ist rau, kalkweiß, durchzogen von Schluchten und Trockentälern, die im Frühjahr Wasser führen und im Sommer verstummen. Wer hier wandert, trägt Wasser, mehr als gedacht. Die Trails zum Rio Flumineddu und zur Gorropu verlangen Ausdauer. Unten, an der Küste des Golfo di Orosei, wartet ein anderer Planet: Buchten ohne Straßenzugang, Meeresfarben, die kein Foto trifft. Der Abstieg nach Cala Goloritze dauert gut eineinhalb Stunden – der Rückweg bergauf zieht an den Beinen. Abends sitzt man mit Muskelkater auf der Terasse und schaut auf den Kalkstein, der langsam rot wird.

Essen & lokale Spezialitäten

In Urzulei dreht sich das Essen um das, was der Supramonte hergibt. Porceddu – Spanferkel, langsam über Myrtenholz gegart – riecht schon auf der Straße. Culurgiones, die gefüllten Teigtaschen der Ogliastra, kommen hier mit Kartoffel, Pecorino und Minze, die Naht ist handgefaltet und sieht aus wie ein Ähre. Pecorino sardo reift in den Kellern der Schafhalter. Ein einfaches Mittagessen gibt es in den wenigen Agriturismi rund ums Dorf – kein Menü, kein Zögern, man isst, was gekocht wurde. Cannonau, der sardische Rotwein aus Grenache-Trauben, begleitet alles.

Praktische Infos

Ohne Mietwagen kommt man nicht weit. Die nächste Bahnstation liegt in Arbatax oder Tortolì, jeweils rund 30 Kilometer entfernt. Die Straßen sind eng, kurvenreich und wunderschön – aber kein Ort für eilige Fahrer. Übernachten kann man in Agriturismi und kleinen B&Bs direkt in oder um Urzulei; wer Cala Goloritze früh morgens leer sehen will, braucht eine Unterkunft in der Nähe. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und Juni sowie September und Oktober: Die Hitze ist erträglich, die Schlucht nicht überlaufen. Im August kämpft man um Parkplätze und Schatten.

Häufige Fragen

Kann man Cala Goloritze ohne geführte Tour erreichen?

Ja, der Weg ab dem Parkplatz oberhalb von Baunei ist ausgeschildert und machbar, aber steil. Gutes Schuhwerk, ausreichend Wasser und ein früher Start sind kein optionaler Rat, sondern Bedingung. Bootsfahrten aus Santa Maria Navarrese sind eine Alternative, aber wetterabhängig.

Braucht man für die Gorropu einen Guide?

Nicht zwingend für den Einstieg, aber die Schlucht selbst ist unmarkiert und kann tückisch sein. Lokale Guides aus Urzulei kennen jeden Stein und können in den Fels hineinführen, der ohne Ortskenntnis versperrt bleibt. Preis liegt meist bei 20–30 Euro pro Person.

Was passiert hier an einem normalen Dienstagvormittag?

Ein paar ältere Männer sitzen vor dem Bar-Eingang. Eine Frau hängt Wäsche auf. Irgendwo blökt ein Schaf. Das Dorf ist leise, fast leer – wer arbeitet, ist draußen oder im Stall. Wer einen Espresso bestellt, bekommt ihn stark und ohne Wartezeit.

Fazit

Urzulei ist nichts für Menschen, die einen Strandurlaub mit Kulturdosis suchen. Es ist ein Ort für alle, die wandern wollen, bis die Beine brennen, die Sardinen essen wollen, die noch niemanden kennen, und die verstehen wollen, warum ein Volk seit Jahrtausenden in Fels und Schlucht lebt. Wer sich darauf einlässt, verlässt Urzulei mit Muskelkater, Pecorino im Gepäck und dem leisen Verdacht, dass er zu wenig Zeit mitgebracht hat.