Cappella di Santa Maria del Monte (Santuario Santa Maria del Monte)
Vierzehn Kapellen. Ein langer Anstieg. Und oben, wenn der letzte Atemzug verflogen ist, wartet eine Stille, die sich anfühlt wie absichtlich. Pilger laufen diesen Sacro Monte seit Jahrhunderten hinauf – Schritt für Schritt, Kapelle für Kapelle, den Rosenkranz in der Hand. Das Ritual ist nicht erloschen. Es passiert noch heute, jeden Sonntag, auf demselben Pflaster aus dem siebzehnten Jahrhundert.
Geschichte
Der Ort hat tiefere Wurzeln als seine barocke Schale vermuten lässt. Im frühen Mittelalter stand hier bereits ein Marienheiligtum, zu dem Gläubige aus dem Varesotto wallfahrteten. Im späten 16. Jahrhundert, als die Gegenreformation die Kirche neu erfand, wurde der Sacro Monte gezielt als Werkzeug genutzt: Der Mailänder Erzbischof Carlo Borromeo ordnete den Ausbau an. Die Kapellen sollten als begehbarer Rosenkranz dienen – Glaubensvermittlung für Menschen, die nicht lesen konnten. Architektur als Katechismus in Stein.
Erleben
Das Innere des Sanktuariums riecht nach Kerzenwachs und kaltem Kalkstein, eine Mischung, die sich ins Gedächtnis brennt. Licht fällt durch seitliche Fenster und trifft schräg auf die Madonna dell'Olona, das Gnadenbild aus dem 14. Jahrhundert hinter dem Hauptaltar. Wer an einem Dienstagmorgen kommt, erlebt die Kapelle fast leer. Keine Reisegruppe, kein Gemurmel. Nur das Ticken des Votivlichts und den eigenen Herzschlag.
Insider-Tipp
Die meisten Besucher fotografieren den Altar und gehen. Kaum jemand biegt links ab, wo eine schmale Tür zur Schatzkammer führt – hier lagern Votivgaben aus vier Jahrhunderten: silberne Beinprothesen, gemalte Danksagungen, goldene Herzen von 1680. Sonntags um 10 Uhr findet die Pilgermesse statt, und danach öffnet die Sakristei kurz, wo ein Priester lokale Geschichten erzählt, wenn man ihn auf Italienisch anspricht. Wer fragt, bekommt Antworten.
Besuchstipp
Komm um acht Uhr morgens, wenn der Borgo Santa Maria del Monte noch schläft und die Katzen die Gasse für sich haben. Die Lichtstimmung über dem Lago di Varese ist dann weich und klar. Schulterfrei geht nicht – ein dünnes Tuch in der Tasche reicht. Und geh zu Fuß die Via Sacra hinauf: Wer das Plateau fährt, verpasst den eigentlichen Kern dieses Ortes.
Häufige Fragen
Wie komme ich zur Cappella di Santa Maria del Monte (Santuario Santa Maria del Monte) am besten von Varese aus?
Die Funicolare Varese–Sacro Monte fährt vom Zentrum in knapp zehn Minuten hinauf, hält aber nicht am Sanktuarium selbst. Wer die Via Sacra mit allen vierzehn Kapellen erleben will, steigt in Vellone aus und geht zu Fuß – etwa 45 Minuten bergauf auf gepflastertem Weg.
Ist die Cappella di Santa Maria del Monte (Santuario Santa Maria del Monte) das ganze Jahr geöffnet?
Ja, das Sanktuarium ist täglich zugänglich. Im Winter schließt es früher, meist gegen 17 Uhr. Die Schatzkammer mit den Votivgaben hat eigene Öffnungszeiten – am zuverlässigsten zugänglich an Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 12 Uhr.
Was macht die Cappella di Santa Maria del Monte (Santuario Santa Maria del Monte) besonders gegenüber anderen Sacri Monti in Norditalien?
Der Sacro Monte di Varese gehört zum UNESCO-Welterbe und ist einer von neun solcher Anlagen im Piemont und in der Lombardei. Was ihn unterscheidet: Der Borgo am Gipfel ist bewohnt. Echte Bewohner, echte Restaurants, keine Kulisse. Das Heiligtum liegt mitten im Leben.
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