Shopping in Varese

Morgens um acht läuft hier jeder zum Bäcker – die Brötchen kauft man in der Bar, nicht im Supermarkt, und wer das nicht weiß, fällt sofort auf. Käse und Aufschnitt holt man beim Salumiere, der seine Ware noch selbst aufschneidet. Kleidung der mittleren Preisklasse findet man in der Innenstadt. Aber wer ein wirklich gutes Jackett sucht oder eine Designertasche, der fährt nach Mailand – das ist eine halbe Stunde mit dem Zug, und die meisten tun das ohne Zögern.

Einkaufsstraßen

Die Via Sacco ist die Straße, auf der Varese wirklich einkauft. Keine Flaniermeile, kein Fotomotiv – aber zwischen neun und zwölf Uhr drängen sich hier die Kinderwagen, die Rentnerinnen mit Trolley und die Angestellten in der Mittagspause. Die Schaufenster wechseln schnell: ein Optiker neben einem Schuhgeschäft neben einer Apotheke. Wer früh kommt, findet noch einen Parkplatz. Wer zu spät kommt, stellt das Auto zwei Straßen weiter ab und geht zu Fuß – genau wie alle anderen auch.

Luxus & Designer

Wer in Varese ein Hemd von Loro Piana oder Schuhe von Tod's kaufen will, sucht vergeblich. Die Stadt hat gute Geschäfte – aber keine Flagshipstores, keine Luxusboutiquen. Also fährt man nach Mailand. Mit dem Zug ab Varese Nord dauert das keine vierzig Minuten bis in die Via Montenapoleone. Dort kauft man, was man sucht, isst mittags gut, und ist abends wieder zuhause. Das ist kein Ausflug – das ist hier einfach der normale Ablauf, wenn etwas Besonderes gebraucht wird.

Viertel & Boutiquen

Im Bereich rund um den Mercato Coperto kennt jeder Einheimische mindestens einen Händler, bei dem er seit Jahren kauft. Keine Touristenkarte führt dorthin. Ein älterer Mann verkauft dort Oliven aus Plastikwannen, daneben liegt Käse, der nicht verpackt ist. Man muss wissen, wen man fragen soll – und man muss auf Italienisch fragen. Besucher laufen meist daran vorbei, weil es von außen nicht nach Laden aussieht. Einheimische gehen dort rein, weil sie genau wissen, was drinnen wartet.

Märkte & Spezialitäten

Dienstags und freitags findet der Wochenmarkt auf dem Piazza Repubblica statt. Gemüsehändler aus der Region bringen Tomaten, Zucchini und was die Saison gerade hergibt. Eine Frau verkauft selbstgemachte Pasta aus einer Kühlbox. Daneben liegen Socken, Haushaltswaren, billige Gürtel. Wer früh kommt – vor zehn – trifft die Rentner und die Hausfrauen, die noch wissen, wie man Ware anfasst bevor man kauft. Nach elf wird es voller, lauter, und die besten Tomaten sind längst weg.

Einkaufszentren & Outlets

Wer einen neuen Kühlschrank braucht oder Laufschuhe in Größe 46, fährt ins Gewerbegebiet südlich der Stadt – dort stehen die großen Elektronikmärkte und Sportgeschäfte, die überall in Norditalien aussehen wie Flughafenterminals. Mit dem Auto ist man in zehn Minuten dort. Die Fahrt lohnt sich, wenn man Preise vergleichen oder etwas anfassen will bevor man kauft. Wer online bestellt, tut das inzwischen auch einfach zuhause – aber für große Geräte wollen die meisten hier noch jemanden sehen, der die Lieferung erklärt.

Besonderheiten

Das Gebiet rund um den Lago di Varese bringt etwas mit, das man in der Stadt kaufen kann: Forellen und Felchen, frisch aus dem See, bei einzelnen Händlern, die direkt mit den Fischern arbeiten. Außerdem gilt die Region als Zentrum der norditalienischen Textilindustrie – wer weiß, wo er suchen muss, findet Fabrikverkäufe für Stoffe und Wäsche, die nach außen kaum ausgeschildert sind. Ein Schild, eine Seitenstraße, ein Lager mit Ausschussware – wer einmal drin war, kommt jedes Jahr wieder.