Die Einkaufstasche am Abend sieht hier genauso aus wie in jeder anderen Kleinstadt rund um Turin: Brot vom Bäcker, Gemüse vom Obst- und Gemüsehändler, Wurst vom Metzger – alles aus dem Ort selbst. Wer aber ein neues Jackett oder Elektronik braucht, fährt nach Turin. Das ist keine Niederlage, das ist die Abmachung. Venaria Reale versorgt sich im Alltag selbst und delegiert den Rest bewusst an die große Nachbarin, die zwanzig Minuten entfernt wartet.
Einkaufsstraßen
Die Via Mensa ist die Straße, auf der sich der Einkaufsalltag abspielt – nicht glamourös, aber verlässlich. Zwischen neun und zwölf Uhr läuft hier das echte Programm: Mütter mit Kinderwagen, Rentner vor der Bar, ein Lieferwagen, der die Durchfahrt halbblockiert. Die Läden sind klein, die Türen stehen offen, die Inhaber kennen ihre Stammkunden beim Namen. Wer hier fremd wirkt, wird trotzdem bedient – aber langsamer.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd einer bekannten Marke kaufen will, fährt nach Turin. Die U-Bahnlinie 2 bringt einen in etwa zwanzig Minuten in die Innenstadt. Dort, rund um die Via Roma und die Piazza San Carlo, stehen die Flagshipstores – Marken, Schuhe, Accessoires in einer Dichte, die Venaria Reale nie haben wird und auch nie angestrebt hat. Der Samstagnachmittag in Turin gehört vielen Venariesi: Man erkennt sie daran, dass sie mit vollen Tüten und ohne Stadtplan herumlaufen.
Viertel & Boutiquen
Rund um die ältere Ortsmitte, abseits der Hauptstraße, gibt es kleine Läden, die kein Schaufenster brauchen, weil ihre Kunden sie sowieso kennen. Ein Eisenwarenhändler, ein Nähbedarf-Geschäft, ein Laden für Haushaltsartikel, der aussieht wie aus den Achtzigern – und in dem man Dinge findet, die online dreimal so viel kosten würden. Besucher gehen dort nicht rein, weil sie keinen Grund haben. Einheimische gehen dort rein, weil sie gar nicht erst googeln.
Märkte & Spezialitäten
In Venaria Reale findet zweimal pro Woche ein Straßenmarkt statt – mittwochs und samstags. Wer samstags früh kommt, findet noch gute Ware: Gemüse vom Produzenten aus dem Umland, Kleidung in mittlerer Qualität, Haushaltswaren, ein Stand mit Oliven und eingelegtem Gemüse. Die Händler kennen ihre Stammkunden, die Stammkunden wissen, bei wem man handeln kann und bei wem nicht. Wer um elf Uhr kommt, kauft, was übrig ist.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Markensportschuhe fährt man zum Shoppping-Center Le Gru in Grugliasco – etwa fünfzehn Minuten mit dem Auto Richtung Turin. Dort sitzen Mediaworld, Decathlon und die großen Modeketten unter einem Dach. Der Aufwand lohnt sich, wenn man ohnehin mehrere Besorgungen erledigen will. Wer nur schnell eine Glühbirne braucht, bleibt in Venaria – wer einen Fernseher vergleichen und dabei einen Kaffee trinken will, fährt raus.
Besonderheiten
Die Reggia di Venaria Reale zieht Touristen an – und rund um den Palast haben sich einige Händler und Produzenten angesiedelt, die auf diese Besucher ausgerichtet sind. Aber die Einheimischen kaufen etwas anderes: Lokalgebäck und Süßwaren aus einer der kleinen Konditoreien im Ort, die ihre Rezepte seit Jahrzehnten nicht verändert haben. Zu Weihnachten, zu Hochzeiten, zur Kommunion – dann geht man dort hin, nicht in eine Kette. Der Unterschied schmeckt man.