Wer in Verona wohnt, kauft Brot beim Bäcker und nicht im Supermarkt – das ist hier keine Nostalgie, sondern Gewohnheit. Die Einkaufstasche am Abend ist voll mit Käse vom Händler in der Altstadt, Wein aus dem Valpolicella und vielleicht einem Paar Socken von der Via Mazzini. Was wirklich fehlt: ein großes Möbelhaus im Zentrum, einen Buchladen mit breitem deutschsprachigen Angebot sucht man vergeblich, und wer teure Elektronik will, fährt nicht in die Innenstadt.
Einkaufsstraßen
Die Via Mazzini ist nicht schön – sie ist voll. Samstags um zehn drängeln sich Veronesen und Touristen gleichermaßen auf dem gepflasterten Streifen zwischen Piazza Bra und Piazza Erbe. Die Läden stehen Schulter an Schulter: Schuhe, Taschen, Ketten wie Zara und Mango wechseln sich mit lokalen Boutiquen ab. Wer einheimisch ist, kennt die Abkürzungen durch die Seitengassen. Wer neu ist, landet mit dem Strom. Vor neun Uhr gehört die Straße noch den Lieferanten – danach niemandem mehr allein.
Luxus & Designer
Wer in Verona ein Hemd von Loro Piana oder Schuhe von Tod's kaufen will, findet das tatsächlich in der Stadt – einige Boutiquen rund um die Piazza Bra führen gehobene Marken. Wer aber wirklich einkaufen will, fährt nach Mailand. Zwanzig Minuten mit dem Regionalexpress, und man steht im Quadrilatero della moda. In Verona zahlt man manchmal mehr für weniger Auswahl. Das wissen die Einheimischen – und sie fahren trotzdem gelegentlich lieber nach Hause als nach Mailand zurück.
Viertel & Boutiquen
Das Viertel hinter der Piazza delle Erbe, Richtung Sant'Anastasia, funktioniert anders als die Via Mazzini. Dort gibt es kleine Läden, die seit Jahrzehnten denselben Besitzer haben: einen Händler für Haushaltswaren, einen mit Stoffen, einen Schuhmacher, der noch wirklich repariert. Touristen laufen durch, weil die Kirche am Ende der Gasse lockt – aber die Läden selbst nehmen sie kaum wahr. Einheimische kommen hierher, weil der Händler den Namen kennt und die Ware kennt. Das ist kein Erlebnis, das ist Einkaufen.
Märkte & Spezialitäten
Jeden Freitag füllt sich die Piazza Isolo mit Marktständen – Gemüse, Obst, Billigtextilien, ein paar Händler mit Haushaltsware. Die Frauen aus dem Viertel kommen früh, die guten Tomaten sind um elf weg. Wer samstags noch kommt, kauft den Rest. Auf dem Tisch liegt, was die Saison hergibt: im Herbst Radicchio und Kürbis, im Sommer Pfirsiche aus dem Veneto. Der Markt auf der Piazza Erbe dagegen ist schön und teuer – der ist für Besucher, nicht für den Einkauf.
Einkaufszentren & Outlets
Wer in Verona einen Kühlschrank braucht, fährt raus – Richtung Peripherie, wo die großen Elektromärkte und Baumärkte an den Ausfallstraßen stehen. Mit dem Auto dauert es zwanzig Minuten aus der Innenstadt. Sportschuhe von Nike oder Adidas kaufen viele im Outlet-Center Vicolungo, das liegt zwischen Verona und Mailand und ist mit dem Auto gut erreichbar. Wer kein Auto hat, kauft online oder bittet jemanden. Das Zentrum von Verona ist nicht dafür gemacht, einen Backofen nach Hause zu tragen.
Besonderheiten
Den Amarone kauft man nicht im Supermarkt – man kauft ihn beim Weinhändler, und wenn man fünf Jahre hier wohnt, kennt man einen, der Kontakte zu den Kellern im Valpolicella hat. Flaschen, die nicht im Handel landen. Wer Glück hat, fährt selbst ins Tal, zwanzig Minuten nordwestlich der Stadt, und kauft direkt beim Erzeuger. Genauso der Lessinia-Käse aus den Bergen nördlich der Stadt – auf den Märkten manchmal zu finden, besser direkt oben. Das ist kein Geheimnis, aber man muss danach fragen.