Morgens um acht steht die halbe Stadt vor dem Bäcker – frisches Brot, ein Cornetto, manchmal ein halbes Kilo Schnittkäse für den Mittag. Den Supermarkt nutzt man für Waschmittel und Konserven, nicht für das, was man wirklich essen will. Abends liegt in der Einkaufstasche: Salami vom Metzger, Gemüse vom Händler im Zentrum, manchmal ein Flasche Lambrusco aus dem kleinen Weinladen. Kleidung, Elektronik, alles was eine Marke trägt – das kauft man nicht hier. Dafür fährt man nach Mantua.
Einkaufsstraßen
Die Hauptstraße durch das Zentrum ist nicht glamourös – sie ist eng, die Häuser stehen dicht, samstags parken die Autos halb auf dem Gehweg. Zwischen neun und zwölf Uhr passiert hier das meiste: Rentner vor dem Tabacchi, Mütter mit Kinderwagen vor der Apotheke, der Metzger hat die Tür aufgeklappt und man riecht es von der Straße. Keine Fußgängerzone, kein Pflaster aus Marmor – aber genau hier kauft Viadana ein, nicht irgendwo sonst.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd will, fährt nach Mantua – vierzig Minuten mit dem Auto, und plötzlich gibt es Schaufenster mit Namen drauf. Mantua hat das Zentrum um die Piazza Sordello, dort reihen sich Läden, die in Viadana schlicht nicht existieren. Man fährt nicht jeden Samstag, aber wenn es einen Anlass gibt – Hochzeit, Geburtstag, erster Arbeitstag – dann macht man einen echten Ausflug daraus. Mittagessen inklusive. Einige fahren auch nach Cremona, das liegt näher und hat weniger Touristen zwischen den Regalen.
Viertel & Boutiquen
Besucher laufen durch das Zentrum und sehen die üblichen Läden. Einheimische kennen die Nebenstraßen. Da gibt es den kleinen Lebensmittelladen, den keine App verzeichnet – kein Schild, das ins Auge springt, kein Instagram-Auftritt. Man kennt ihn, weil die Mutter ihn kannte. Drinnen stehen drei Regale und eine alte Theke, dahinter ein Mann, der jeden Kunden beim Namen kennt. Wer neu in der Stadt ist, findet ihn nur durch Nachfragen. Wer ihn einmal kennt, kauft dort Parmesanstücke, die schwerer wiegen als erwartet.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs findet auf dem Platz im Zentrum ein Wochenmarkt statt – nicht riesig, aber lebendig. Gemüse, Obst, ein Stand mit Arbeitskleidung, einer mit Haushaltswaren und einer, wo eine Frau selbstgemachte Pasta verkauft, die bis zehn Uhr morgens ausverkauft ist. Die Tomaten kommen aus der Region, die Preise sind direkt, es wird gefeilscht – nicht laut, aber es passiert. Wer schläft und um elf kommt, wählt zwischen den Resten. Frühaufsteher aus Viadana wissen das und stehen um halb neun schon mit dem Einkaufskorb dort.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank fährt man nach Casalmaggiore oder direkt nach Mantua. Casalmaggiore liegt auf der anderen Seite des Po, zwanzig Minuten – dort gibt es die großen Elektromärkte an der Ausfallstraße, die man aus Deutschland kennt: viel Parkplatz, viele Paletten, wenig Beratung. Mantua bietet mehr Auswahl, lohnt sich wenn man vergleichen will. Die Fahrt nach Mantua plant man am Wochenende ein und kombiniert sie – Kühlschrank, Schuhe, Mittagessen, fertig. Allein für eine Waschmaschine fährt niemand zweimal.
Besonderheiten
Viadana liegt im Herzen der Poebene, und das schmeckt man. In der Region wird Parmigiano Reggiano produziert – nicht das Supermarkt-Reibepulver, sondern der echte, schwere Laib, den man beim lokalen Händler oder direkt ab Hof kauft. Ein Stück davon kostet mehr als erwartet und schmeckt nach nichts, was man aus Deutschland mitgebracht hat. Dazu kommt der lokale Salumi – Culatello di Zibello stammt zwar aus der Provinz Parma, aber die Händler hier kennen ihre Lieferanten persönlich. Das merkt man beim ersten Bissen.