Shopping in Villa San Giovanni

Die Einkaufstasche am Abend ist in Villa San Giovanni schnell beschrieben: Brot vom Bäcker, Gemüse vom Markt oder einem kleinen Laden, vielleicht ein paar Dinge aus dem Supermarkt. Wer hier lebt, kauft das Tägliche vor Ort – und fährt für den Rest rüber. "Rüber" bedeutet: nach Reggio Calabria, zehn Minuten im Auto. Ein Designerhemd, neue Sportschuhe, ein Elektrogerät – das holt man dort. Villa San Giovanni versorgt den Alltag, keine Mode, keine Kaufhauswelt. Das wissen alle hier, und niemand beschwert sich.

Einkaufsstraßen

Der Corso Garibaldi ist die Achse. Nicht schön, aber lebendig. Morgens um neun öffnen die Baristi, die Rentner stehen schon draußen mit dem Espresso in der Hand. Zwischen zehn und zwölf schieben sich Frauen mit Einkaufstaschen an kleinen Lebensmittelläden vorbei, jemand kauft Zeitungen, jemand wartet vor der Apotheke. Die Straße ist nicht breit, die Autos fahren trotzdem durch. Es gibt Lärm, Gerüche, kurze Gespräche durch offene Türen. Hier erledigt man Dinge, man flaniert nicht.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd will, fährt nach Reggio Calabria. Die Fahrt dauert keine zwanzig Minuten, und in der Innenstadt findet man, was Villa San Giovanni nicht hat: Markenshops, mehrere Schuhgeschäfte mit bekannten Namen, Herrenmoden mit Umkleidekabinen und Beratung. Manche fahren auch nach Messina – die Fähre legt direkt hier ab, von der Stadt aus. Messina hat mehr Auswahl, ein Einkaufszentrum mit Ankermietern. Wer plant, fährt rüber und macht daraus einen halben Tag.

Viertel & Boutiquen

Etwas oberhalb des Zentrums, in den ruhigeren Wohnstraßen hangaufwärts, gibt es kleine Läden, die kein Schild brauchen. Die Stammkunden kommen ohne hinzuschauen. Ein Metzger, der nur vormittags offen hat. Ein Haushaltsladen, in dem die Inhaberin noch weiß, welche Schrauben du letztes Jahr gesucht hast. Touristen laufen an der Fähre vorbei und sehen diese Gassen nie. Einheimische kaufen dort seit zwanzig Jahren ein und erklären den Weg nur, wenn man freundlich fragt.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs und samstags gibt es einen kleinen Wochenmarkt in der Stadt. Die Stände stehen nicht im Zentrum, sondern etwas abseits – wer ihn nicht kennt, findet ihn nicht auf Anhieb. Auf den Tischen liegt, was die Saison hergibt: im Sommer Tomaten, Auberginen, Zucchini aus der Region. Die Verkäufer kommen aus den Dörfern im Hinterland, die Kundschaft ist lokal, das Gespräch dauert länger als der Kauf. Wer außerhalb der Markttage Gemüse braucht, kauft beim kleinen Alimentari um die Ecke.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank fährt man nach Reggio Calabria. Dort gibt es ein Einkaufszentrum mit Elektronikhändlern und den üblichen Ketten für Sportartikel. Die Fahrt lohnt sich, wenn die Liste länger ist – einmal hinfahren, drei Dinge erledigen. Manche fahren auch nach Villa San Giovanni zurück und bestellen online, seit das Netz besser geworden ist. Aber wer das Gerät anfassen will, wer eine Größe anprobieren möchte, fährt nach Reggio. Samstagnachmittag ist es dort voll, besser unter der Woche fahren.

Besonderheiten

Die Fähre prägt nicht nur den Verkehr – sie prägt auch, was man hier kauft. An den Kiosken und kleinen Läden rund ums Fährterminal gibt es kalabrische Spezialitäten in einer Dichte, die man in Reggio so nicht findet: 'Nduja direkt vom Anbieter aus dem Aspromonte-Vorland, eingelegte Oliven, Bergamotte-Produkte. Diese Läden leben von den Pendlern und Reisenden, die noch schnell etwas mitnehmen wollen. Einheimische kaufen dort zu Feiertagen, wenn Verwandte aus dem Norden kommen und etwas Echtes mit nach Hause nehmen sollen.