Ville d’Anaunia – Gemeinde in Italien

Gemeinde in Italien

Hoch über dem Val di Non, wo die Äpfel in langen Reihen hängen und der Herbstnebel träge durch die Täler kriecht, liegt eine Gemeinde, die es so erst seit 2016 gibt. Ville d'Anaunia entstand, als sich Campodenno, Cunevo, Denno und Termon zusammenschlossen – vier Dörfer, die jahrzehntelang nebeneinander existierten und nun gemeinsam verwaltet werden. Was bleibt, sind Burgen auf Felsen, ein smaragdgrüner Stausee und Apfelplantagen, die im Mai weiß blühen und die Luft nach Popcorn riechen lassen. Wer hierher kommt, sucht kein Zentrum. Er findet Schichten.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Castel Valer thront auf einem Porphyrfelsen über Tassullo und ist seit dem 12. Jahrhundert im Besitz derselben Familie – der Spaur. Die Mauern sind nicht Kulisse, sie sind bewohnte Geschichte. Wenige Kilometer entfernt steht Castel Bragher in den Apfelgärten, weniger dramatisch gelegen, aber mit einer stillen Wucht aus dem Tal heraus sichtbar. Der Lago di Santa Giustina leuchtet im Sommer türkis und täuscht über seine Tiefe hinweg – bis zu 75 Meter. Die Diga di Santa Giustina, eine der höchsten Bogenstaumauern Europas, stemmt sich dort dagegen: Beton aus den 1950ern, roh und selbstbewusst.

Natur & Umgebung

Das Val di Non ist Apfelland, aber wer einen Kilometer Höhe gewinnt, steht in anderem Terrain. Hinter Campodenno beginnen Lärchenwälder, im Oktober leuchten sie gelb gegen den grauen Kalkstein der Brenta-Voralpen. Am Seeufer des Lago di Santa Giustina führt ein Weg entlang des Wassers, das je nach Füllstand und Jahreszeit zwischen Smaragd und Stahlblau wechselt. Schwimmen ist hier nicht vorgesehen – der See ist Trinkwasserreservoir – aber spazieren, stillhalten, Staudamm anschauen: das geht. Im Frühling liegt der Geruch von Apfelblüte so dicht in der Luft, dass er auf der Zunge landet.

Essen & lokale Spezialitäten

Melinda-Äpfel kommen aus dieser Region, nicht aus einer Marke – hier sieht man die Bäume, aus denen sie stammen. Wer auf den Märkten in Denno oder Campodenno einkauft, nimmt Canova-Äpfel mit, die kleinen, festen, die kein Supermarkt kennt. In den Gasthäusern der Gegend landet Strangolapreti auf dem Tisch – Spinatknödel in brauner Butter, benannt nach dem Priester, der sich daran verschluckt haben soll. Dazu trinkt man einen Teroldego aus dem nahen Rotaliano-Feld, dunkel und leicht rau. Die Bars in den Dorfkernen öffnen früh; um acht Uhr riecht es nach Cappuccino und Sägestaub.

Praktische Infos

Von Trento fährt man mit dem Auto in etwa 25 Minuten nordwärts Richtung Mezzolombardo, dann ins Val di Non hinein. Eine Direktverbindung mit der Bahn gibt es nicht; Busse der Trentino Trasporti verbinden die Dörfer mit dem Tal, aber wer flexibel sein will, braucht ein Auto. Übernachten lässt sich in kleinen Agriturismi der Umgebung, Campingplätze gibt es am Lago di Santa Giustina in Sporminore direkt nebenan. Mai und September sind die besten Monate: Mai wegen der Blüte, September wegen dem Licht und der Ernte. Im August ist es voll mit Trentiner Familien.

Häufige Fragen

Kann man am Lago di Santa Giustina schwimmen oder Boot fahren?

Nein. Der See dient als Trinkwasserreservoir für die Region, Schwimmen und motorisierter Bootsverkehr sind verboten. Spazieren am Ufer und Fotografieren – besonders die Staumauer aus der Nähe – ist problemlos möglich.

Ist Castel Valer von innen zu besichtigen?

Nur selten und auf Anfrage. Die Burg ist Privatbesitz der Familie Spaur und kein reguläres Ausflugsziel. Von außen und aus den Weinbergen darunter sieht man sie ohnehin am besten – der Blick von unten erzählt mehr als jeder Innenraum.

Gibt es in den Dörfern selbst Restaurants, oder muss man nach <a href="https://italien.wiki/trento/" title="Trento – Reiseführer & Tipps">Trento</a> fahren?

Es gibt Gasthäuser in Campodenno und Denno, die mittags für Handwerker und Einheimische kochen – kein Reservierungssystem, keine Karte auf Englisch, dafür echte Küche. Abends ist die Auswahl dünn; für ein Abendessen mit Auswahl fährt man ins nahe Cles oder nach Mezzolombardo.

Fazit

Wer eine fertige Bühne sucht, fährt anderswo hin. Wer versteht, dass das Val di Non eines der bedeutendsten Apfelanbaugebiete Italiens ist und gleichzeitig kaum internationales Publikum kennt, der findet hier etwas Ehrlicheres. Ville d'Anaunia ist für Leute, die Burgen ohne Souvenirladen mögen, die einen Stausee als Architektur begreifen und die Stille zwischen zwei Dörfern als Erholung erleben – nicht als Mangel. Ein Wochenende reicht. Aber es hinterlässt einen Geruch: Apfelblüte oder Apfelernte, je nachdem, wann man kommt.