Shopping in Viterbo

Morgens läuft hier fast jeder zuerst zum Bäcker. Die Tüte mit dem Brot hängt am Arm, wenn man danach den Käse beim Alimentari holt. Was in der Einkaufstasche abends fehlt: große Markennamen, internationale Ketten, ein H&M. Den gibt es in Viterbo schlicht nicht. Wer Jeans oder Sneaker einer bekannten Marke braucht, fährt nach Rom. Was bleibt, ist gut: Lebensmittel, Haushaltsware, lokale Läden mit Besitzern, die einen beim dritten Besuch schon mit Namen ansprechen.

Einkaufsstraßen

Der Corso Italia ist die Ader, durch die alles fließt. Kein breiter Boulevard – eher eine Gasse, die sich für eine Hauptstraße hält. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Mütter mit Kinderwagen, Rentner mit Einkaufsrollern und Schüler auf dem Weg zur Bar aneinander vorbei. Die Läden hier verkaufen Schuhe, Unterwäsche, Haushaltsartikel, Süßigkeiten. Nichts Aufregendes. Aber genau das braucht man. Wer auf dem Corso steht und wartet, sieht in dreißig Minuten die halbe Stadt.

Luxus & Designer

Ein gutes Hemd kauft man in Viterbo nicht. Das sagen selbst die Viterbesi ohne Bedauern. Wer zu einem Anlass etwas Besonderes braucht, fährt nach Rom – knapp anderthalb Stunden mit dem Regionalzug. Dort kauft man auf der Via Condotti oder im Kaufhaus La Rinascente, was zuhause schlicht nicht im Regal liegt. Manche fahren auch nach Orte, das ist näher. Aber für echte Markenschuhe oder einen Anzug, der sitzt, geht der Weg immer Richtung Rom. Das akzeptiert hier jeder.

Viertel & Boutiquen

Im mittelalterlichen Kern, rund um den Palazzo dei Papi, gibt es eine Handvoll Läden, die auf keiner Touristenkarte stehen. Ein alter Eisenwarenhändler, dessen Regale bis zur Decke reichen. Eine Frau, die selbstgemachte Pasta in Sichtweite der Kathedrale verkauft – kein Schild draußen, nur eine offene Tür. Besucher laufen daran vorbei, weil sie die Kirche fotografieren. Einheimische gehen hinein, weil sie wissen, dass dort die Tagliatelle besser sind als im Supermarkt. Und weil die Frau dahinter jeden kennt.

Märkte & Spezialitäten

Dienstags und samstags baut sich auf der Piazza della Rocca der Markt auf. Kein romantisches Bauernmarkt-Bild – eher praktisch, laut, lebendig. Gemüsehändler aus dem Umland stapeln Zucchini, Tomaten und Artischocken auf klapprigen Tischen. Daneben verkauft jemand billige Socken, und ein anderer hat Arbeitshandschuhe dabei. Einheimische kommen mit dem Trolley, kaufen für die ganze Woche und handeln manchmal den Preis nach. Wer samstags zu spät kommt, findet nur noch Reste. Um zehn ist das beste Gemüse weg.

Einkaufszentren & Outlets

Wer einen Kühlschrank braucht, fährt Richtung Autobahn. Außerhalb des historischen Zentrums, im neueren Teil der Stadt, liegen die größeren Elektromärkte und Möbelhäuser. Das ist keine schöne Gegend – Parkplatz, Schild, Eingang, Regal. Aber es gibt dort, was man braucht. Für Sportschuhe einer großen Marke oder ein neues Smartphone lohnt sich manchmal trotzdem die Fahrt nach Viterbo Nord, wie die Einheimischen das Viertel nennen. Größere Anschaffungen – Küche, Sofa – machen viele über das Internet und lassen liefern.

Besonderheiten

Der Kastanienhonig aus den Wäldern der Cimini-Hügel nördlich von Viterbo schmeckt anders als alles, was man im Supermarkt findet – dunkel, fast bitter, mit einem langen Nachgeschmack. Kleinen Hofläden an der Straße nach Bagnoregio kauft man ihn direkt ab. Wer nicht weiß, wo, fragt in der Bar – irgendwer kennt immer den richtigen Bauern. Und dann gibt es noch den lokalen Weißwein aus Montefiascone, EST! EST!! EST!!!, den man in Viterbo in jeder Enoteca bekommt, in Deutschland aber kaum je zu Gesicht bekommt.